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Hertzkammer:Dunkle Seelen

South London Ordnance aus Berlin in der Roten Sonne

Der August ist bekanntlich eine sehr dunkle Zeit für Indoor-Veranstalter. Denn die paar Menschen, die sich in diesem urlaubstoten Monat nicht an irgendeinem Strand wälzen, versuchen das Freilufterlebnis zumindest in der Heimat auszuleben. In einen Kellerclub hinabzusteigen, gehört dabei weniger zu den Standards des innerstädtischen Urlaubsprogramms. Deshalb gibt es auch diverse Open-Air-Sommerfeste, die ein bisschen Club in weichgespülter Variante unter freiem Himmel anbieten, zwar schrecklich abhängig vom Wetter, aber immerhin den gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst. Und dann gibt es die, die sich eben generell eher ungern anpassen. In der Roten Sonne etwa, wo nun an diesem Wochenende ein DJ angekündigt ist, der zur Feier der Konsens-Verweigerung im düsteren Club-Loch, fern der lauen Nacht, einlädt.

Schon der Name verrät, hier geht es nicht ums sämige Wohlfühlen: South London Ordnance - also die Artillerie aus dem Süden der britischen Hauptstadt, tritt an, um sämtliches Sommergefühl zu versalzen. Der in Berlin lebende Brite veröffentlicht unter seinem militärischen Künstlernamen seit 2002 ziemlich roughen, gebeutelten und harten Sound. Zwischen Acid und House, ohne viel Bässe, die da etwas abfedern würden, krachen seine Beats: Bass-Drum und Hi-Hat, fast im selben mittleren Frequenzbereich, unterscheiden sich nur in der Klangfarbe und erzeugen ein gepresstes, hoch komprimiertes Klangerlebnis. Hier bekommt man den Kopf nicht in Wolken gepackt, wie das bei manch bassig-wummernden Produktionen der Fall ist, hier schnalzt einem der Klang um die Ohren.

Eine herrliche Erfahrung für dunkle Seelen abseits des derzeit angesagten popmusikalischen Konsens. Und South London Ordnance hat zudem einen verdrehten Joker für die freiwillig und unfreiwilligen Non-Urlauber in der Tasche: Der Pressetext beschreibt ihn als "paneuropäisch", es ist jedoch auch irgendwie panhistorisch, wenn er etwa Elemente alter DDR-Aufnahmen, Cold Wave oder Italo-Disco in seine Tracks einbaut. Urlaub mit den Ohren quasi - entweder in der DDR oder im Italien der Siebzigerjahre.

South London Ordnance, Samstag, 6. August, 23 Uhr, Rote Sonne, Maximiliansplatz 5

© SZ vom 04.08.2016
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