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"Hercules" im Kino:Keine Spur mehr von Halbgott

Dwayne "The Rock" Johnson als Hercules

Vom Löwen behütet - Dwayne "The Rock" Johnson übernimmt antike Heldenjobs als Herkules.

(Foto: Paramount Pictures France)

Der Actionstar Dwayne Johnson erfüllt sich einen Jugendtraum und spielt im gleichnamigen Kino-Abenteuer Herkules. Doch bei ihm wird der Held zu einer Art Söldner, bei dem leider vor allem die Finanzen stimmen müssen.

Ganz gleich ob der Nemeische Löwe zum Sprung auf ihn ansetzt oder der Erymanthische Eber durchs Dickicht heranstürmt oder der König Rhesus wild daherstürmt auf seinem Streitross - mit großer Gelassenheit steht Herkules da und schaut dem allen entgegen, erwartungsvoll, mit einer Freude gar, wie sie den Kindern zu eigen ist.

Ein Herkulesfilm stand schon ganz früh auf der Wunschliste des Actionstars Dwayne "The Rock" Johnson, der hier, mit ungewohnt vielen langen Haaren und seinem Löwenkopfhelm unglaublich jugendlich wirkt und arnoldesker als sonst. Ein richtig großer Star ist er nie geworden, dafür hat er früher als viele andere ein hinreißendes Gespür fürs Ironische demonstriert

Der Film "Hercules" von Regisseur Brett Ratner - für Ironie sehr viel weniger begabt, siehe seine "Rush Hour"-Filme - und Dwayne Johnson folgt der Vorlage der Graphic Novel von Steve Moore, "Hercules - The Thracian Wars".

Sie spielt in Thrakien, einem finsteren, wenig zivilisierten, schmuddeligen Teil Griechenlands. Der Film spielt in dunklen Gewölben und meistens nachts, und ein Dorf, das man nach langen Märschen erreicht, sieht so verwüstet aus, als hätte es einen Durchmarsch des brutalen IS dort gegeben. Antike noir.

Und Herkules ist abgehalftert und müde, keine Spur mehr von einem Halbgott, sehr viel mehr von einem kleinen privaten Startup-Unternehmer im Söldnerbusiness, bei dem leider vor allem die Finanzen stimmen müssen.

Zweischneidiger Job

Das Dutzend der herkulischen Aufgaben ist seit langem erledigt und Legende geworden, der Stoff aus dem die Heldenträume sind - was aber auch heißt, das Material diverser Traumata, an denen der Held Herkules sich abarbeitet. In einem Anfall von Wahnsinn, heißt es, habe er seine Frau und seine Kinder hingemetzelt. Die Helden-PR, Aufgabe Nr. 13.

Der zweite elementare Söldnerfilm innerhalb kurzer Zeit, nach Marvels "Guardians of the Galaxy", der das Geschäft in seiner Geschichte reflektiert. Herkules verdingt sich mit seinen Kollegen - alles singuläre Einzelkämpfer, ein halbes Dirty Dozen - bei diversen Fürsten und hilft ihnen bei der Abwicklung von Grenz- und Bürgerkriegsproblemen.

Hier ist es Lord Cotys, der die Herkules-Truppe beauftragt, sein Heer in furchtlose Form zu bringen - was das ganze zu einem beinahe realistischen Trainingsfilm macht, in der Sieben-Samurai-Tradition. Ein zweischneidiger Job - nie kann einer garantieren, gegen wen die neu formierte Waffe, das effektive Heer, eingesetzt werden wird.

Kampf für die Naivität des Genres

Die Politik, das unberechenbare, taktisch skrupellose Element, verkörpern undurchschaubare Typen wie Joseph Fiennes und John Hurt in diesem Film. Sie bringen ein shakespearisches Element ins Geschehen - der Barde hat ja ziemlich schnell auch in Hollywood den Ton angegeben, und als der große Cecil B. DeMille, die große urwüchsige epische Kraft, sich zurückzog, tummelten sich vermehrt britische Chargen auch im Antikenfilm, Peter Ustinov, James Mason, Richard Burton.

So kämpft Herkules auch für die Reinheit, die Naivität des Genres. Der Film ist in 3D konzipiert, was hier nicht einfach spektakulär verheizt wird. Nein, hier ist es der Pfeil des Schicksals, der aus der Tiefe des Raumes auf uns zugeflogen kommt.

Hercules, USA 2014 - Regie: Brett Ratner. Buch: Ryan Condal, Evan Spiliotopoulos. Kamera: Dante Spinotti. Mit: Dwayne Johnson, Ian McShane, Rufus Sewell, John Hurt, Ingrid Bolsø Berdal, Reece Ritchie, Joseph Fiennes, Tobias Santelmann. Paramount, 98 Minuten.