Michael Wolffsohn wurde 1947 als Sohn deutscher Flüchtlinge in Tel Aviv geboren und kam 1954 mit den zurückkehrenden Eltern nach Deutschland. Er unterrichtete als Professor für Neuere Geschichte von 1981 bis 2012 an der Universität der Bundeswehr München. Durch zahlreiche Publikationen wie „Last und Chance der Deutschen Vergangenheit“ – über den Kalten Krieg, die Politik Israels und viele weitere Themen – wurde er bekannt. Nun hat sich Wolffsohn im Auftrag des Karajan-Instituts mit der Vergangenheit des Dirigenten während der Nazizeit befasst: Sein spannend zu lesendes Karajan-Buch „Genie und Gewissen“ erscheint dieser Tage im Freiburger Herder-Verlag. Im Wohnzimmer seines Einfamilienhauses in einem Vorort von München steht ein schwarzer Flügel, unweit davon der Esstisch. Wolffsohn serviert gut gelaunt Tee, Kaffee, Stollen, frische Feigen und kleine persische Früchte, die nach Zitronenschale schmecken. Er empfiehlt Butter auf den Stollen. Aber der bleibt erst einmal liegen, denn die Fragen nach Karajans Vergangenheit dulden keinen Aufschub.
Herbert von Karajan„Hätte er Koch statt Generalmusikdirektor werden sollen?“
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War der Jahrhundertdirigent Herbert von Karajan nur Mitläufer oder überzeugter Nazi? Der Historiker Michael Wolffsohn hat dieser Frage ein aufwendig recherchiertes neues Buch gewidmet – und stellt einige Annahmen richtig.
Interview von Helmut Mauró
