SachbuchAtemlähmende Wirklichkeit

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Gerhart Hauptmann hatte zu den Nationalsozialisten eine ambivalente Haltung, Anna Seghers war eine entschiedene Gegnerin. Helmuth Kiesel arbeitet in seinem Meisterwerk zur „Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933–1945" alle Haltungen der Schriftsteller und Schriftstellerinnen heraus.
Gerhart Hauptmann hatte zu den Nationalsozialisten eine ambivalente Haltung, Anna Seghers war eine entschiedene Gegnerin. Helmuth Kiesel arbeitet in seinem Meisterwerk zur „Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933–1945" alle Haltungen der Schriftsteller und Schriftstellerinnen heraus. BIlder: Imago (2); Bearbeitung: SZ

Auf knapp 1400 Seiten handelt Helmuth Kiesel mit feinem zeithistorischen Gespür die Literaturgeschichte der Nazi-Jahre ab. „Schreiben in finsteren Zeiten“ ist ein Monument.

Von Jens Hacke

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Achtzig Jahre nach dem Untergang des Dritten Reichs erscheinen zwei epochale Bücher über den Nationalsozialismus, die beim allgemeinen Lesepublikum für Erkenntnisblitze sorgen, aber auch die Fachwissenschaft beeindrucken. Nach Götz Alys „Wie konnte das geschehen?“ – die umfassende Gesellschaftsgeschichte einer Zustimmungsdiktatur – folgt nun Helmuth Kiesels Literaturgeschichte „Schreiben in finsteren Zeiten“, fürwahr ein Mammutunternehmen von knapp 1400 eng bedruckten Seiten, das unser Verständnis für Erwartungen und Enttäuschungen, Hoffnung und Verzweiflung in der Diktatur illuminiert. Beide Autoren eint nicht nur ihr Geburtsjahr 1947, sie verarbeiten in ihren Werken jeweils ein ganzes Leben voll von intensiver Forschung. Eine besondere „Aufdringlichkeit der Geschichte“ (Hermann Lübbe) mag auch mit unserem veränderten Gegenwartsempfinden zu tun haben, sorgen doch das Konjunkturhoch des Autoritarismus und der antiliberale Zeitgeist dafür, dass der Totalitarismus nicht mehr bloß als rein historisches Phänomen erscheint.

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