Rauschen und Knirschen, Wehen und Klopfen, Japsen und Stocken, Atmen und Nichtatmen, Knistern und Brechen – kaum ein Laut, den Wälder und Flüsse, Wind und Wetter, Vögel und Tiere hervorbringen, der nicht auftaucht in den Klanggespinsten, die Helmut Lachenmann in seinen drei Streichquartetten kreiert hat. Um ein „immer wieder neu ausgerichtetes Hören“ geht es dem 89-jährigen Komponisten dabei, der das diesjährige Streichquartettfest des Heidelberger Frühlings so monumental wie liebenswürdig, so amüsant wie ernst, so humorvoll wie gespannt überstrahlte. Dieser Komponist ist eine charismatische Persönlichkeit erster Ordnung, hochgewachsen, knorrig, dabei voller Witz und Hintersinn. Nichts klingt in den drei Quartetten, die er 1971, 1989 und 2000/01 geschrieben hat, vertraut, leicht durchschaubar oder anheimelnd. Früher erntete Lachenmann mit seinen Stücken oft kräftige Buhs, aber er betont mit heiterstem Sinn: „Den will ich gewinnen, der sagt, das ist doch keine Musik!“
KlassikKratzen, schaben und doch Musik
Lesezeit: 4 Min.

Er will das Hören neu ausrichten: Das Streichquartettfest des Heidelberger Frühlings feiert den großen Komponisten Helmut Lachenmann.
