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Helmut Dietl:Der Regisseur mit dem Stempel

Der Meister in seinem Regiestuhl, wie stets im weißen Anzug.

(Foto: Karin Rocholl)

Die Deutsche Kinemathek in Berlin verwaltet künftig den Nachlass des Münchner Regisseurs Helmut Dietl. Mit der Ausstellung "Schwermut und Leichtigkeit" gibt sie einen ersten Einblick in sein Archiv.

Drei Jahre nach dem Tod des Regisseurs Helmut Dietl zeigt die Deutsche Kinemathek in Berlin eine Sonderschau mit dem Titel "Schwermut und Leichtigkeit". Sie gibt erste Einblicke in den Nachlass des Filmemachers, der letzten Winter nach Berlin kam und künftig von der Kinemathek verwaltet wird.

Zur Einstimmung gibt es knapp acht Minuten mit Szenen aus Filmen und Serien zu sehen, ein kleines Best of aus den "Münchner Geschichten" und dem "Monaco Franze", aus all den Erzählungen von Männern und Frauen also, die sich nach der Liebe sehnen, was sie mal in den siebten Himmel der Leichtigkeit, mal in die Schwermut treibt. Die Ausstellung ist ein Vorgeschmack auf einen größeren Wurf, eine erste Bestandsaufnahme der Materialien, die in den nächsten Jahren von den Kuratorinnen Gerlinde Waz und Claudia Wick erschlossen werden sollen. Die große Hommage soll in etwa vier Jahren stattfinden, wenn alle Dokumente, Fotos, Filme und Requisiten gesichtet, katalogisiert, restauriert und mit anderen Teilen der Sammlung vernetzt sind. Zum Beispiel mit den Nachlässen von Bernd Eichinger und Herman Weigel, die als Produzenten Dietls Verbündete auf Zeit waren.

Ergänzt werden die Exponate durch das Gesamtwerk von Dietls Filmen

Diese Einbindung in den größeren Zusammenhang einer umfangreichen Sammlung zur deutschen Film- und Fernsehgeschichte war für die Witwe Tamara Dietl der ausschlaggebende Grund, den Nachlass nach Berlin zu geben, anstatt ihn in Dietls Heimatstadt München zu belassen. Bereits im Verlauf der Sichtungs- und Forschungsarbeiten werden die Ergebnisse als work in progress digital veröffentlicht, für Liebhaber ebenso wie für Filmforschende. Und bei der Begehung der Dietl-Hommage wird schnell klar, in welchem Maße die Teile des Nachlasses Einblick in die Werkstatt des Filmemachers gewähren. Da ist zum Beispiel ein Brief, in dem Dietl erklärt, wie der Titel "Schtonk!" für den Film über den Hitler-Tagebuchfälscher und den Stern-Redakteur, der darauf hereinfiel, von Charlie Chaplin inspiriert wurde. Oder die Fotos der Fotografin Karin Rocholl, die immer ein bisschen mehr waren, als nur flüchtige Standbild-Schnappschüsse von Dietls Arbeit.

Auch Dietls Stempel mit dem Schriftzug "Not in the Budget", sind zu sehen, mit denen er nicht finanzierbare Filmträume markierte. Ebenfalls ausgestellt wird das goldene Kostüm, in dem Heino Ferch in Dietls vorletztem Film "Vom Suchen und Finden der Liebe" den Hermes gab, und die Gold-Spraydosen, mit denen es bei Bedarf wieder aufgehübscht wurde. Dazu kommen persönliche Briefe, mit Absprachen, Sympathie- und Liebesbekundungen, aber auch Vertragsabschlüsse, Absichtserklärungen für die Filmförderanstalten, Zeitungsartikel und mit Anmerkungen versehene Drehbücher.

Ergänzt werden die Exponate durch das Gesamtwerk von Dietls Filmen und Serien, die in der Mediathek vor Ort abgerufen werden können. Dazu kommen noch jede Menge Interviews und Dokumentationen. An jedem der sechs Monitore gibt es zur Orientierung und Einstimmung einen kleinen Zusammenschnitt der jeweiligen Werke, die man sich im Anschluss in voller Länge anschauen kann, in ihrer einzigartigen Mischung aus Schwermut und Leichtigkeit.

Schwermut und Leichtigkeit - Eine Sonderschau für Helmut Dietl. Deutsche Kinemathek Berlin. Bis 30. September.