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Helge Schneiders neuer Kinofilm:Letzte Ausfahrt Mülheim

Kinostarts - '00 Schneider 2 - Im Wendekreis der Eidechse'

Helge Schneider als Kommissar 00 Schneider. Mit seinem neuem Film überschreitet er leider eine wichtige Grenze.

(Foto: dpa)

Helge Schneiders Filme sind oft eine atemberaubende Behauptung, hinter der unmittelbar das Nichts lauert. "Im Wendekreis der Eidechse" macht optisch viel her. Leider wollte er darin unbedingt ein paar echte Lacher platzieren.

Eine der besten Szenen ist die, in der der Held gegen Ende ein Parkhaus betritt. Fliegersonnenbrille, die Anzughose halb in die Stiefeletten gestopft, begleitet vom treuen Hund Zorro, einem Spitz. Gelbes Nachmittagslicht fällt durch die Fenster, und plötzlich beginnt Kommissar Schneider zu tanzen, ohne wirkliche Tanzmusik. Er springt, dreht sich, imitiert Ballettposen. Verschwindet aus dem Bild, erscheint wieder, breitet die Arme aus, lässt die Zipfel seines matschbraunen Kunstleder-Trenchcoats durch die Luft wirbeln. Der Hund erschrickt erst ein bisschen, schaut dann zu, so wie wir.

Was den Kommissar zum Tanzen bringt, ist überhaupt nicht klar. Aber Filme sind ja oft dann richtig gut, wenn sie Dinge einfach behaupten - und ein Kinowerk von Helge Schneider kann man sogar als eine einzige, atemberaubende Behauptung bezeichnen, hinter der dann unmittelbar das Nichts lauert.

"00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse" ist also ein Tanzfilm. Wie andere Helge-Schneider-Filme zeigt er aber auch Anklänge an den Film Noir und an die Karl-May-Festspiele, an "Zazie"-Irrsinn und Fassbinder-Lethargie, an den "Andalusischen Hund" und an "Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe".

Deutsches Nationalmaskottchen

Schneider, der Spielfilm-Guerillero, der in grauer Vorzeit auch mal ein klein bisschen umstritten war, hat es damit bis zum deutschen Nationalmaskottchen gebracht - was überhaupt nicht gegen ihn spricht. Viele Clowns sind dann am besten, wenn das Zirkuszelt voll ist, und zur Not gibt es ja noch das ganz obskure Frühwerk.

Die Kommissar-Schneider-Figur tauchte erstmals 1993 auf. Schon ein Jahr später kehrte sie zurück in Schneiders bis heute bestem, weil strapaziösestem Film: "00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter". Für die Dramaturgie war der Kommissar essenziell: Wo zumindest theoretisch ein Täter gefasst werden soll, da gibt es narrativen Drive, eine Publikumserwartung, eine Zielrichtung. Auch wenn die zugehörigen Ermittlungen so lose improvisiert waren wie ein Jazzstück morgens um halb vier. Und auch wenn es eigentlich nur um das Warten auf den Zufall ging, das Zigarettenrauchen, die sinnlosen Arztbesuche, die kurz angebundenen Fragen und Antworten am Kiosk-Tresen. Kein anderer deutscher Regisseur hat die absolute Leere so großartig ausgeleuchtet und gefilmt wie Helge Schneider. Eine Leere, die sich selbst erkennt.