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Helge Schneider wieder auf Tournee:Guten Tach, auf Wiedersehen

Er ist zurück und hat Hundehaufen, Madonna und einen Mann, der in Brot eingebacken wird, im Gepäck. Auf seiner Tournee parodiert und persifliert Helge Schneider und findet dabei stets die perfekte Essenz des Absurden. Aber allein in Berlin absolviert der Künstler 22 Abende hintereinander. Ist das gut so? Oder zieht Schneider nur das immer selbe Programm durch? Ein Besuch.

Zu Beginn serviert er ein Lied über Berlin. Darin ist von Hundehaufen die Rede und von einem älteren Herren, der diese einigermaßen unbeabsichtigt in seinem Mantel hortet. Wie immer verknüpft der Mann auf der Bühne das allzu Banale mit dem möglichst Skurrilen mit dem unbedingt Überraschenden mit dem endlos Albernen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, dass alle über diese immer selbe Art von Anti-Komik lachen. Aber Helge Schneider versteht eben sein Handwerk. Das Publikum im Berliner Admiralspalast tobt, von der ersten Minute an, als sein Idol die Bühne betritt. Der Künstler muss wenig hinzufügen, außer dem, was er schon mehr als sein halbes Leben lang macht.

Helge Schneider

Auch mit ausführlichen Jazzeinlagen beeindruckt Helge Schneider das Publikum im Berliner Admiralspalast.

(Foto: dpa)

Ein paar neue Lieder hat der 56-Jährige trotzdem in petto auf seiner Tournee "Superhelgi - Rettung naht", mit der Schneider zurzeit an 22 direkt aufeinander folgenden Terminen fast allabendlich das Hauptstadtpublikum beglückt, bevor es ihn nach München, Hamburg, Wien und Zürich zieht. Und diese neuen Songs haben es durchaus in sich:

"Listen, people: I was born as a baby. My mama and my papa were my parents. I was born in Hospital and I grew up. Now I'm here - and that's all." Aus diesem komplett sinnbefreiten Text macht der Mann aus dem Ruhrpott auf der Bühne eine minutenlange so mitreißende American-Songwriter-Parodie, dass kein Auge trocken bleibt. Als ginge es in jedem Lied, das in Fremdsprache von jemandem auf der Bühne gesungen wird, um irgendetwas von Bedeutung, sobald der Sänger nur genügend Schmalz in sein Organ legt und ein paar stimmliche Pirouetten dreht.

Underdog in Höchstform

Helge Schneider macht dasselbe an diesem Abend noch mit einem französischen Chanson, in dem es ausschließlich um Lautmalerei und stimmliche Übertreibungen geht, nahezu ohne Text, und mit einem orientalischen Lied. Dadaismus vom feinsten. Er persifliert sie alle. Er findet immer die perfekte Essenz des Absurden.

Was genau er da ins unendlich Komische dreht, das ist jedem im Ansatz immer schon unbewusst mal aufgefallen. Diese manchmal unerträgliche Schmalzigkeit französischer Chansonniers bei gleichzeitiger Unverständlichkeit französischer Silben, gepaart mit einer Stimme, die direkt aus der Kloake zu kommen scheint und im nächsten Augenblick in schrille Höhen umschwenkt, um die Bandbreite menschlicher Emotionen darzustellen. Aber Schneider ist der Einzige, der all diese nur manchmal peinlichen, meist doch ganz annehmlichen Auftritte von Sangeskollegen in nur wenigen Augenblicken gleichzeitig so gekonnt und so maßlos übertreibt, dass man schlicht nicht anders kann als herzhaft und aufrichtig zu lachen. Meist kommt niemand dabei zu Schaden.

Manchmal schon: Aber wenn er von "Madonna, der alten Sektenschwuchtel" und "dem Merkel mit seinen albernen Frauenkleidern" erzählt, sind diese meistens nicht im Raum. Wohl aber sein Teekoch Bodo, den er triezen kann, als auch ernstzunehmende Jazzmusiker, mit denen er sich Scharmützel liefert, in Wort und Musik. Das Publikum hat das Gefühl, dass der Künstler immer bei ihm ist, nie bei denen da oben, immer mit dem Fuß im Volk - der Underdog und vermeintliche Nichtskönner läuft zur Hochform auf.

Zusammen mit ein paar diesmal besonders ausführlichen Jazzeinlagen, Neuauflagen von sehr alten Spaßliedern und, zum Abschluss, einem großartigen und zu Recht nicht enden wollenden neuen Song über einen Mann, der in ein Brot eingebacken wird, ist das auch schon das ganze Tournee-Programm. Aber es kommt an. Wie immer. Nicht jeden Abend gleich gut. Manchmal wird er von der Hauptstadtpresse verrissen, doch danach strömen nur umso mehr Fans in den Admiralspalast, um ihn anzufeuern.

Beobachtungen im Stehcafé

Was ist das Geheimnis des Mannes, der auf derart infantile Weise nun schon seit Jahrzehnten ein Massenpublikum verzaubert? Viel ist darüber schon spekuliert worden, wenig davon ist erhellend. Das liegt unter anderem daran, dass Helge Schneider sich gerne verweigert.

Sowohl den Kritikern als auch seinen Fans, wenn er gerade keine Lust hat, als auch immer wieder den Erwartungen an ihn als auch den vermeintlichen Normen der Gesellschaft als auch, seinerzeit, irgendeiner Art von Berufsausbildung. Obwohl von Kindesbeinen an musikalisch hochbegabt, bricht Helge Schneider erst die Schule ab, dann verschiedene Ausbildungen und Jobs als Tierpfleger, Dekorateur und Bauzeichner, schließlich das Klavierstudium am Konservatorium Duisburg, das ihn nach einer Sonderbegabtenprüfung hätte in Lohn und Brot bringen können.

Helge Schneider - live im Jahr 2009

Füttern verboten!