Zum Tod von Fotografin Helga Paris:Grau ist eine warme Farbe

Zum Tod von Fotografin Helga Paris: Helga Paris 2016 bei der Mitgliederversammlung der Akademie der Künste, der sie seit 1996 angehörte.

Helga Paris 2016 bei der Mitgliederversammlung der Akademie der Künste, der sie seit 1996 angehörte.

(Foto: Berliner Akademie der Künste/imago images / gezett)

Sie fotografierte das Leben in der DDR, wie es war: Die Berliner Fotografin Helga Paris ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Von Peter Richter

Es gibt ein Bild, das die Fotografin Helga Paris in den Siebzigern aufgenommen hat, das zeigt die Winsstraße in Berlin-Prenzlauer Berg, wie sie sich in der Ferne in etwas verliert, das man dichten Dunst nennen könnte. Oder Smog. Oder aber diesen rauchigen Effekt von Ferne, den man in der Renaissancemalerei Sfumato taufte. Die Fassaden auf Helga Paris' Foto sind noch nicht so stramm durchgeweißelt wie heute. Es ist Berliner Grauputz, runtergewaschen von den Jahren. Man könnte auch sagen: Sie bröckeln. Oder: Sie zeigen ihr Alter ohne Schminke. Und in der Mitte dieser scheinbaren Stadtvedute kommt durch die steinerne Straßenschlucht ein Vogel aggressiv auf den Betrachter zugeschossen. Aber ist es wirklich eine "Taube", wie der Titel des Bildes behauptet? Farblich könnte es genauso gut eine aufgekratzte Krähe sein, kein Friedens-, sondern ein Todessymbol. Derart changieren sieht man Dinge sonst eigentlich nur auf Kipppostkarten und Vexierbildern.

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