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Heinz Strunk im Gespräch:"Ich bin kein Comedian"

SZ-Magazin

Ein Mann mit vielen Rollen: Heinz Strunk.

(Foto: Axel Martens)

Warum mag Heinz Strunk seinen Namen nicht mehr? Und was erwartet er sich von seinem neuen Roman "Jürgen"? Ein Treffen in Hamburg.

Was Heinz Strunk so richtig bereut? Seinen Namen. "Der ist aus dem Versuch heraus entstanden, lustig zu sein", erklärt er. Doch nun erinnere er ihn nur "an einen Metzger, der Wurstwitze macht". Heinz Strunk, der eigentlich Matthias Halfpape heißt und aus Hamburg-Harburg stammt, ist ein Mann mit vielen Rollen. Seit 20 Jahren gehört er zusammen mit Rocko Schamoni und Jacques Palminger dem Humorkollektiv "Studio Braun" an, aber er ist auch ein äußerst produktiver Autor. 2004 erschien sein erster Roman "Fleisch ist mein Gemüse". Der handelt von den zwölf Jahren, in denen der klassisch ausgebildete Saxophonist mit der Tanzband "Tiffanys" durch die Lande tingelte. Das Buch verkaufte sich eine halbe Million Mal und begründete Strunks Schriftstellerkarriere. Nun ist bei Rowohlt sein neuer Roman "Jürgen" erschienen.

Als SZ-Redakteurin Claudia Fromme Heinz Strunk im Hamburger Schanzenviertel trifft, begegnet sie einem Mann, der von sich selbst sagt, dass Humor für ihn nichts mit professionellem Herumkaspern zu tun hat, sondern schlichtweg eine Notwendigkeit ist, "um meine ewige Ernsthaftigkeit zu relativieren".

"Endlich fühlte ich mich so anerkannt, wie meine Selbstwahrnehmung ist"

Strunk sieht sich nicht als blödelnden Entertainer, sondern als jemand, der durchaus als Künstler und Autor ernst- und wahrgenommen werden will. Was bei dem 55-Jährigen auch heißt, seine Erfolge auf ein normales, alltägliches Maß herunterzuschrauben: "Fleisch ist mein Gemüse"? "Ist nur als Taschenbuch erschienen, da bleibt nicht viel übrig." Die sechs CDs von "Studio Braun"? "Ein Rohrkrepierer." Insgesamt wurden nur 30 000 Exemplare verkauft. Der neue Roman? "Da habe ich überhaupt kein Gefühl, wenn ich 20 000 Stück verkaufe, bin ich froh."

Heinz Strunk gibt unumwunden zu, wie sehr er sich gefreut hat, dass ihm "Der Goldene Handschuh", der Roman über das Leben des Frauenmörders Fritz Honka, viel Anerkennung bei der Literaturkritik eingebracht hat. Das Buch wurde 2016 für den Leipziger Buchpreis nominiert, außerdem erhielt Strunk den Wilhelm-Raabe-Preis, was einem Ritterschlag auf dem Gebiet des humoristischen Schaffens gleichkommt. "Das war eine Genugtuung", sagt er. "Endlich fühlte ich mich so anerkannt, wie meine Selbstwahrnehmung ist. Ich bin kein Comedian. Klar mache ich alberne Sachen, aber ein großer Teil ist todernst."

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