Heinrich Böll und der Prager Frühling:"Blass, schön vor Zorn und Mut"

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Heinrich Böll

Heinrich Böll 1970 in Castrop-Rauxel.

(Foto: picture alliance / Horst Ossinge)

Am Abend vor dem Einmarsch sowjetischer Truppen traf Heinrich Böll in Prag ein. Unter dem Titel "Der Panzer zielte auf Kafka" sind seine Aufzeichnungen erschienen.

Von Helmut Böttiger

Heinrich Böll ahnte nichts Besonderes, als er mit seiner Frau Annemarie am 20. August 1968 mit dem Zug in Prag einfuhr. Er war gespannt, wie sich die Atmosphäre in der Tschechoslowakei verändert hatte, und freute sich auf den "Sozialismus mit menschlichem Antlitz", den der Prager KP-Chef Alexander Dubček seit ungefähr einem halben Jahr propagierte. Der dortige Schriftstellerverband hatte Böll eingeladen, um über den Reformprozess zu diskutieren und sich über einen "dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Sowjetkommunismus auszutauschen, eine Vorstellung, die Böll elektrisierte. Er hatte gegen den amerikanischen Krieg in Vietnam genauso protestiert wie gegen die Verhaftung der Schriftsteller Andrei Sinjawski und Juli Daniel in Moskau. Der "Prager Frühling" war für ihn eine erste konkrete Hoffnung, Vorstellungen eines liberalen Sozialismus umsetzen zu können.

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