Heiner Müller muss ein ehrgeiziges Kind gewesen sein. Am 1. Januar 1945, einige Tage vor seinem 16. Geburtstag, beginnt er damit, seine Überlegungen und Lektüreexzerpte in einem Notizheft festzuhalten. Heute lesen sie sich fast wie die Vorwegnahme eines lebenslangen Arbeitsprogramms: „Die Aufgabe des letzten europäischen Dichters wird eine ungeheure, vielleicht unmögliche sein.“ Jahrzehnte später formuliert Müller mit seinem Werk selbst eine Art Schlusspunkt: ein letzter Dramatiker der europäischen Revolutionstragödien und gescheiterten Utopien.
Heiner Müller„Ich werde Nietzsche immer verehren“
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Die Berliner Akademie der Künste gräbt einen frühen Text aus dem Nachlass Heiner Müllers aus. Es zeigt sich: Schon der 15-jährige Dichter formulierte wie in Stein gemeißelt.
Von Peter Laudenbach
