Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, bekam ich ein diatonisches Hohner-Akkordeon geschenkt. Meine Mutter hatte gemerkt, das Kind ist musikalisch, aber in einem Arbeiterhaushalt war für ein Klavier a) kein Geld da und b) kein Platz in zwei Zimmern, also: Akkordeon. Natürlich kam meine Mutter auf diese Idee, meinen Vater hat so etwas nicht interessiert. Trotzdem waren beide dabei, als ich im Essener Saalbau mit dem Jugend-Akkordeonorchester einen kleinen Solo-Auftritt mit dem „Kosakenritt“ hatte. Kosakenritt! Zuerst kam der Marsch „Alte Kameraden“, dann der „Kosakenritt“, der hier auf dem Notenständer liegt. Ich muss sieben oder acht gewesen sein. Für deutsche Schulen galt zu der Zeit: „Die Hose zieret nur den Mann, drum Mädchen, zieh ein Röcklein an.“ Sie sehen diese modische, aber korrekte Scheußlichkeit hier an mir. Kosakenritt, korrekt gekleidet.
Notizen aus meinem LebenAkkordeon-Amore
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Unsere Kolumnistin spielte schon das Instrument des Jahres 2026, als Mädchen noch Röcke tragen mussten und Musiklehrer das „Horst-Wessel-Lied“ üben ließen: Folge sechs von „Heidenreichs Fundstücken“.
Von Elke Heidenreich
