Helene Hegemann inszeniert in Düsseldorf So nett, so kokett, so unmutig

Von Helene Hegemann war nach dem Copy-and-Paste-Roman "Axolotl Roadkill" lange nichts zu hören. Jetzt macht sie in Düsseldorf mit ihren Freunden ein bisschen Anti-Theater. Aber immerhin: Die Musik ist gut.

Von Vasco Boenisch

Helene Hegemann macht jetzt wieder Theater? Nee, nich wirklich, hat sie gar keine Lust zu. "Meine Freunde brauchten Geld, ich konnte ihnen eine Beschäftigung besorgen, also machen wir das jetzt und haben ein bisschen Spaß dabei, das sagen wir auch im Stück; wir hören da auch mal zwanzig Minuten Platten, weil uns nicht anderes eingefallen ist", erklärte sie ihre neuste Nicht-Berufung vorab in einem Interview, um dann auf dem Programmzettel noch mal einen großen Seufzer auszustoßen über das "Paradox, durch die Auflehnung gegen die Mechanismen des Kulturbetriebs für selbigen gerade besonders interessant zu sein". Es ist schon nicht leicht, ein Kind der Dialektik zu sein.

Helene Hegemann wurde über das Produktionsnetzwerk "Connect Connect" und den Mentor René Pollesch das Geld für ein Stück angeboten.

(Foto: dpa)

Die Wahrheit ist natürlich, dass jedes Anti-Theater auch nur Theater ist. Auftritt: Helene H. Im adrett cremefarbenen (Chanel-?) Strickjäckchen springt sie aus dem Parkett auf die Bühne zu ihren Freunden, wo diese gerade die Pollesch-Parodie einer Hollywood-Parodie von Abel Ferrara - es geht um den Film-im-Film-Kinostreifen "Snake Eyes" mit Harvey Keitel und Madonna - mit der gebotenen Hysterie und dem obligatorischen Dilettantismus vorgespielt haben. "Ich fand's immer noch nicht aggressiv genug, leider", sagt Hegemann, die Fake-Regisseurin. Also noch mal, Szene eins, Take 374, ab "Du scheiß Arschloch".

Die Freunde haben teils gerade das Gymnasium, das Hegemann abbrach, abgeschlossen. Weil ihr über das Produktionsnetzwerk "Connect Connect" und den Mentor René Pollesch das Geld für ein Stück angeboten wurde, probiert sie jetzt mit ihrer Abi-Clique ein bisschen rum.

Die lustigen Diskursschleifen des Autors Pollesch sind Hegemann seit ihrer - von ihr ebenso bestrittenen wie bestätigten - "Sozialisation" in der Berliner Volksbühne ins Blut übergegangen, was ja bereits bei ihrem Roman "Axolotl Roadkill" zu abstrusen, genialisch anmutenden Sentenzfolgen und einem großen "Wow!" im Literaturbetrieb führte.

In ihrem Theaterabend mit dem Bandwurmtitel "Lyrics. Dieses Gedicht wurde vor ca. 20.000 Jahren geschrieben und ist immer noch aktuell" geht Helene Hegemann in Zusammenarbeit mit der Schlingensief-Kamerafrau Kathrin Krottenthaler ähnlich vor - bloß besser gelaunt. Die Performance wird nach der Premiere im Düsseldorfer FFT (Forum Freies Theater) noch beim Festival Spielart in München und im Berliner Ballhaus Ost zu sehen sein. Fünf junge Gerade-mal-nicht-mehr-Pubertierende plappern darin wie altkluge Diskursschleudern und blinzeln sich dabei gegenseitig verschmitzt zu.

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