Süddeutsche Zeitung

Hauptpreis:Sympathisch schräg

Tom Jahn und die Bigband Dachau

Der britische Schlagzeuger Pete York hat die Bigband Dachau einmal mit einem heran donnernden Güterzug verglichen. Wer sie hört, weiß warum: Die Besetzung mit zwei Schlagzeugern, Synthesizern und Keyboards und dem Bläsersatz eines großen Jazzorchesters erzeugt eine ungeheure Wucht. Es fällt schwer, bei den treibenden Rhythmen und pulsierenden Bässen die Füße still zu halten.

Das ist auch die erklärte Absicht des jungen Ensembles: dass zur Bigband-Musik wieder getanzt wird wie in den alten Tagen Count Basies. Nur eben mit einem modernen Sound. Techno trifft auf Jazz, Elektro auf Retro, Digital auf Analog. Das ist so frisch, spannend und mitreißend, dass die Band im vergangenen Jahr auf dem weltberühmten Montreux Jazz Festival spielen durfte.

Man muss betonen, dass die erst vor acht Jahren unter dem Dach der Knabenkapelle gegründete Formation im Wesentlichen aus Musikschülern und -studenten besteht, also aus jungen Laien mit unterschiedlichen Befähigungen. Und doch tritt die Bigband inzwischen auf wie aus einem Guss mit einem einzigartigen, prägnanten Stil. Das verdankt sie ihrer Spielfreude, ihrer Begeisterungsfähigkeit, ihrem großen Können, aber ganz sicher auch ihrem Leiter Tom Jahn. Bewusst trägt die Bigband die Bezeichnung "Dachau" im Namen. Die jungen Musiker sind nicht nur Botschafter ihrer Stadt. Sie tragen auch das Bild eines jungen Deutschlands hinaus in die Welt, das aus seiner Geschichte gelernt hat, das sich gewandelt hat, das bunt und auf eine sympathische Weise verrückt ist.

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Quelle:
SZ vom 20.04.2018 / SZ
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