Handke und kein Ende Warum wir aus der Jury des Heinrich-Heine-Preises austreten

Indiskretion und mangelnde Vertraulichkeit werfen Sigrid Löffler und Jean-Pierre Lefèbvre ihren Jury-Kollegen vor, die Peter Handke erst einen Preis zusprechen, um sich sogleich davon zu distanzieren. Hier ist die - kaum weniger indiskrete - Erklärung der beiden zu ihrem Jury-Austritt.

Von Löffler / Lefèbvre

Am 20. Mai wurde der alle zwei Jahre vergebene Heine-Preis der Stadt Düsseldorf dem österreichischen Schriftsteller Peter Handke zugesprochen. Nach Kritik an der Preisvergabe wegen der Haltung Handkes zur Rolle Serbiens in den Balkan-Kriegen der neunziger Jahre gilt als sicher, dass der Stadtrat die Jury-Entscheidung blockieren und im 150. Todesjahr Heinrich Heines darauf verzichten wird, den Preis zu vergeben. Wir dokumentieren das Schreiben, mit dem die Jury-Mitglieder Sigrid Löffler und Jean-Pierre Lefèbvre ihren Austritt aus dem Gremium erklären. SZ

"Dichter-Kollegen" Handke und Heine: "Für die Kür von genehmen Kandidaten ist der Wortlaut der Statuten des Heine-Preises völlig ohne Belang."

(Foto: Collage: bgr)

Die Ratsfraktionen des Düsseldorfer Stadtrates haben bekannt gegeben, dass sie die Vergabe des Heinrich-Heine-Preises 2006 an Peter Handke politisch verhindern wollen. Ein solcher Vorgang ist ungewöhnlich - umso mehr, als die Jury, darunter fünf Stadt-Politiker, zuvor mit Zweidrittelmehrheit (zwölf gegen fünf Stimmen) für Handke gestimmt hatte. Der Beschluss für Handke trägt die Unterschriften sämtlicher Jury-Mitglieder und ist im Faksimile inzwischen medienbekannt.

Ohne Vertraulichkeit ist Jury-Arbeit nicht möglich, Juroren sind daher zur Verschwiegenheit verpflichtet. In krasser Verletzung dieses Prinzips haben sich die meisten Juroren, kaum dass in der Öffentlichkeit erste Kritik an ihrem Votum laut wurde, sofort von einer Entscheidung distanziert, die sie selbst eben erst durch ihre Stimmen demokratisch mit herbeigeführt hatten. Einer Jury, die nicht zu dem steht, was sie selbst beschlossen hat, wollen wir nicht mehr angehören. Einer Stadt, die unabhängige Fach-Juroren beruft und sie dann politisch desavouiert, können wir nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir treten hiermit aus der Jury des Heine-Preises aus. An die Vertraulichkeit fühlen wir uns nicht länger gebunden.