Literaturnobelpreis 2024:Verdrängung zwecklos

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Verheerungen der Militärdiktatur: Der 18.-Mai-Nationalfriedhof in Gwangju erinnert daran, dass an diesem Tag im Jahr 1980 die koreanische Armee Hunderte Menschen nur deshalb tötete, weil sie ein freieres Südkorea forderten. (Foto: Thomas Hahn)

Am Dienstag erhält die Südkoreanerin Han Kang den Literaturnobelpreis. Ihr wichtigster Roman „Menschenwerk“ handelt von einem Massaker der Militärdiktatur in ihrer Heimatstadt Gwangju. Ein Ortsbesuch.

Von Thomas Hahn

Vom Jeonil-Gebäude in Gwangju geht der Blick hinunter auf den Demokratie-Platz des 18. Mai. Dort, rund um den Brunnen, der jetzt still und himmelblau im Grau dieses kalten Dezembertages liegt, haben sich im Mai 1980 Südkoreanerinnen und Südkoreaner gegen die Militärdiktatur des Generals Chun Doo-hwan gestellt. Dort sind damals viele gestorben, als das Militär den Aufstand mit brutaler Gewalt zurückschlug. Es ist ein Samstag fast 45 Jahre später, früher Nachmittag, nichts los zwischen den mahnenden Denkmälern des Platzes. Der Weihnachtsschmuck ist abgeschaltet. Selbst die bunten Kunstbäumchen wirken matt im feuchten Winterwetter. Frieden.

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