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"Monopol"-Ranking:Hans Haacke ist einflussreichster Künstler 2019

Haacke Goldin

Hans Haacke und Nan Goldin führen das Monopol-Ranking 2019 an.

(Foto: AP/dpa)
  • Das Berliner Magazin Monopol hat die einflussreichsten Persönlichkeiten der Kunstwelt gekürt.
  • Auf Platz zwei nach Haacke liegt die Fotografin Nan Goldin, die als politische Aktivistin geehrt wird.
  • Den dritten Platz reservieren die Herausgeber für den verstorbenen Kurator Okwui Enwezor, weil er "seiner Zeit immer voraus" gewesen sei.

Der deutsche Künstler Hans Haacke führt die vom Magazin Monopol ermittelte Liste der bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstwelt an. In der Begründung heißt es: "Seit Beginn seiner Karriere versteht Hans Haacke die Kunst als politischen Raum. Sein Aktivismus war immer präzise statt laut, seine Gesellschaftskunst ist heute relevanter denn je."

Das Kunstmagazin zieht mit der Auswahl wichtiger Künstler, Kuratoren, Sammler und Galeristen in seiner Dezember-Ausgabe ein Resümee des zu Ende gehenden Jahres. Allerdings ist das Ranking der Berliner Redaktion weniger international als die von der britischen Art Review zusammengestellte Liste der "Power 100". Verblüffend ist, dass auch Monopol die Fotografin Nan Goldin auf Platz 2 setzt und erneut weniger als Künstlerin denn als politische Aktivistin würdigt, deren Protest dazu geführt hatte, dass die Mäzenaten-Familie Sackler als Geldgeber in der Kunst nicht mehr gefragt ist. Und auch Monopol hat für die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und den senegalesischen Ökonomen Felwine Sarr, deren Bericht zur Restitution kolonialen Raubguts "die europäische Museumslandschaft aufgerüttelt" habe, einen vorderen Rang reserviert (15).

Dass die Liste zahlenmäßig nur gerade so ausgewogen ist zwischen Männer- und Frauennamen, fällt schon deswegen nicht auf, weil Künstlerinnen wie Hito Steyerl (10) Henrike Naumann (11) auf den vorderen Plätzen liegen. Und Museumsdirektorinnen wie die Deutsche Susanne Pfeffer (4), Leiterin des Museums Moderner Kunst, Frankfurt, und Maria Balshaw (6) von der Londoner Tate offensiv vor Max Hollein vom Metropolitan Museum oder Glenn D. Lowry vom Museum of Modern Art in New York gesetzt wurden.

Eine Nennung berührt: Auch wenn sie eigentlich "eine Liste der Lebenden sei", habe man dem im März verstorbenen Kurator und Dichter Okwui Enwezor, zuletzt Direktor am Münchner Haus der Kunst, den dritten Platz freigehalten, schreiben die Herausgeber Elke Buhr und Sebastian Frenzel. Er sei "seiner Zeit immer voraus gewesen", begründen sie die Ausnahme. "Sein großes Thema, das Ende des eurozentrischen Blicks, wird uns noch lange begleiten, seine intellektuelle Brillanz bleibt eine ständige Inspiration."

© SZ.de/lorc/cag

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