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"Guardians of the Galaxy" im Kino:Prollige Superhelden

Aufmarsch der Guardians: Zoe Saldana, "Rocket Racoon", gesprochen von Bradley Cooper, Chris Pratt, "Groot", gesprochen von Vin Diesel und Dave Bautista (von links).

(Foto: Walt Disney)

Mit den "Guardians of the Galaxy" erobern die Underdogs unter den Superhelden die Kinoleinwand. Sie sind frei von allen Traumata und Wehleidigkeiten, trotz allem außerirdischen Klamauk ist der Hollywoodstreifen hoch aktuell: Es geht um Waffenlieferungen in Krisengebiete.

Das war genau mein Ding, freute sich der Regisseur James Gunn in vielen Interviews der letzten Wochen zu seinem Überraschungserfolg "Guardians of the Galaxy". Alles drin: Aliens, Weltraumoper, Marvel- Superhelden, Popmusik, Raccoons . . . Über die Mythologie der Waschbären in der amerikanischen Folklore ist hierzulande nur wenig bekannt, bei Karl May, erinnern wir uns vage, war ab und zu die Rede davon. Ich hab Raccoonfiguren gesammelt, erklärt James Gunn, seit meiner Jugendzeit.

Rocket Raccoon heißt einer seiner Helden, der Gewitzteste der fünf Guardians of the Galaxy, eine Waschbärvisage mit dem unvermeidlichen Zug zum Grimmigen und Fiesen.

Bradley Cooper spricht ihn im Original, der Irre aus den Hangover-Filmen und dem "Silver Linings Playbook". Die anderen Guardians zeichnen sich eher physisch aus, durch gedrungenen bis massiven Körperbau oder bei der Frau, Zoe Saldana, durch grüne Haut.

Der Anführer ist Peter Quill, dessen Heimatplanet die Erde ist und der gern als "Star-Lord" auftritt. Das Publikum liebt diese Bande, bei der es derb und kantig, urwüchsig und dreckig zugeht.

Ausnahmsweise mal bei der Feinarbeit an den Steuerknüppeln - die Guardians Zoe Saldana und Chris Pratt.

(Foto: Walt Disney)

Am vorigen Wochenende sind die "Guardians" - nachdem andere erdverbundene Helden wie Stallones "Expendables" oder die Perversen des neuen "Sin City"-Films von Frank Miller und Robert Rodriguez beim Filmstart auf die Schnauze fielen - zurück an die Spitze des US-Kinocharts gedrungen, sie haben inzwischen an die 500 Millionen Dollar weltweit eingespielt und "Thor" und "Captain America" hinter sich gelassen.

Es ist ein radikaler Bruch mit der Superhelden-Tradition des letzten Jahrzehnts, eine kräftige Portion Corned-Beef nach Jahren gutbürgerlicher Küche. Und ein bewusster Affront gegen Regisseure wie Sam Raimi, Christopher Nolan oder Joss Whedon, unter denen das bewährte Genre eine Sophistication erreicht hatte (und eine Sentimentalisierung), die ihm immer größeren Raum in den Feuilletons einbrachte.

Super- und Spider-Man, Captain America, der Hulk und Thor sind inzwischen die Top-Melancholiker des amerikanischen Kinos, cry-babies. Enervierend, wie Spidey sein Trauma rumschleppt, er sei schuldig am Tod seines Onkels. Wie Superman sich zurücksehnt ins heimatliche Kansas, ins Haus der Pflegeeltern, wo die Wäsche flattert im Wind.