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Großformat:Wie leben?

Die kalifornische Künstlerin Andrea Zittel stellt minimalistische Behausungen in die Wüste. Und formuliert existenzielle Fragen als Poster.

Von Catrin Lorch

Für eine Künstlerin, deren Werk jahrelang in New York beheimatet war, ist die Ansage "lebt und arbeitet in Joshua Tree" eine gewaltige. Die 1965 in Escondido geborene Andrea Zittel ist jedoch im Jahr 2000 zurückgezogen an den Rand der Mojavewüste. Dort setzt sie ein Werk fort, mit dem sie in den Neunzigerjahren zu einem Star der Kunstwelt aufgestiegen war - unter drastisch anderen Vorzeichen.

Viele Jahre hatte sie als Bildhauerin ein Konzept zwischen Installation und Ready Made verfolgt: Ausgangspunkt war die Frage nach dem richtigen Leben - für das sie Uniformen entwarf und drastisch reduziertes Mobiliar, die "Living Units", normierte, schlichte Gegenstände, eine Alternative zur Konsumkultur - oder ein Kommentar dazu.

Berühmt wurde sie mit den "Escape Vehicles", kleinen, perfekt ausgestatteten und elegant lackierten Wohnmobilen, die sich zur Weltflucht gleichermaßen eigneten wie sie die Möglichkeit einer utopischen, aber absolut zeitgenössischen Lebensform suggerierten. Museen und Großausstellungen auf der ganzen Welt feierten diese Entwürfe. In der Wüste hat Andrea Zittel nun ihr Lebensprojekt neu eingerichtet: "A-Z West" ist als Versuchsgelände angelegt. Auf mehr als 50 Hektar Grund entstand neben dem Wohnhaus ein Studio, zu dem eine Töpferei gehört, eine Weberei, eine Holzwerkstatt und ein Raum mit großen Zeichentischen wie in einem Ingenieurbüro.

Derzeit setzt sich Zittel, die im Sommer mit einem architektonischen Entwurf an der Ausstellung "Anders Wohnen" im Haus Esters und Haus Lange in Krefeld beteiligt ist, mit dem Formenvokabular der Moderne auseinander. Eine Serie schwarzer modularer Skulpturen ist über den Hang in Richtung Highway ausgestreut, hinter dem Haus parken die "A-Z Guest Cabins": Von weitem sieht das aus wie ein Trailer-Park, aus der Nähe wirken die aufs Notwendigste reduzierten Kabinen wie luxuriöse Betten, gepolstert mit handgewebten Stoffen, positioniert auf Augenhöhe mit dem Wüstenhimmel.

Die Frage, die sie auf dem Poster für dieses Großformat stellt - "To Live Alone Or Together?", soll man alleine leben oder in Gemeinschaft - hat dieser Entwurf lange überholt. Die minimale Architektur ermöglicht beides: Eremitenhafte Zurückgezogenheit und gemeinsames Erleben der überwältigenden Natur.

© SZ vom 16.03.2019

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