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Großformat:Täuschend echt

Diese Häuser stehen leer, in den Moscheen wird niemand jemals beten. Sie wurden gebaut, um zerschossen zu werden. Der Fotograf Gregor Sailer hat militärische Übungsstädte besucht.

Der Krieg würde abstrakt werden, sauber, digital - da war man sich noch vor zwei Jahrzehnten ganz sicher. Und tatsächlich werden die amerikanischen Drohnen über Afghanistan oder Syrien ja von Piloten gesteuert, die in Florida oder Nevada sitzen. Doch gerade Amerikas qualvolle Kriege im Nahen Osten überzeugten die Militärs auch davon, dass der alte Häuserkampf weiterhin zur Realität des Kriegs gehört. Überall auf der Welt entstanden deshalb in den letzten Jahren Kulissenstädte aus Beton, in denen Soldaten für urbane Gefechte trainieren.

Der 1980 geborene österreichische Fotograf Gregor Sailer beschäftigt sich seit Langem mit verbotenen Städten. Für sein ersten Buch "Closed Cities" hat er Flüchtlingslager, Gated Communities und aufgegebene Orte fotografiert. In seinem neuen Buch, "The Potemkin Village", das im Herbst erscheint, geht es um Stadtsimulationen, darunter eben auch militärische Übungsstädte wie die hier gezeigten in den USA (oben) und in Frankreich (unten).

Der "Urbane Ballungsraum Schnöggersburg" bei Magdeburg (Mitte) soll die modernste dieser Anlagen werden - und auch eine der größten. Bis 2020 entstehen auf sechs Quadratkilometern 500 Gebäude, darunter Hochhäuser, Wohnsiedlungen, eine U-Bahnstrecke mit drei Stationen, ein Flughafen, ein Gefängnis, eine Kirche und eine Moschee. Sogar ein Friedhof ist geplant.

Jede dieser "Mouts" - nach "Military Operations in Urban Terrain" - hat ihren eigenen Charakter: Mal ähneln sie Dörfern aus Bauklötzen, die Kinder auf dem Wohnzimmerteppich bauen. Mal sind sie detailreich ausgeschmückt wie Filmkulissen: Über den Supermärkten prangen Reklametafeln, und vor der Moschee liegt ein zerschossenes Autowrack. Sailer faszinieren diese sorgfältig geplanten Geisterstädte, weil sie "die politischen Entwicklungen der Gegenwart" spiegeln. Ironischerweise spiegeln sie aber auch das, was die ökonomischen Entwicklungen der Gegenwart in der echten Welt hinterlassen haben: Tote Einkaufszentren in amerikanischen Vororten, Spekulationsruinen auf griechischen Inseln oder aufgegebene Schwarzbauten in Sizilien sehen ähnlich aus.