Großformat Quint Buchholz

Wir zeigen Blätter aus dem Skizzenbuch des Illustrators, der mit seinen Bildern für Elke Heidenreichs Bücher bekannt wurde und inzwischen selbst ein erfolgreicher Kinderbuchautor ist.

Von Roswitha Budeus-Budde

"Ich hoffe, dass meine Bilder nicht so einfach zu verstehen sind. Was zu sagen haben sie schon, aber keine eindeutige Aussage, die soll jeder Betrachter selbst finden." Quint Buchholz blättert in seinen Skizzen, die er zu seinem ungewöhnlichsten Buchprojekt, "Der Sammler der Augenblicke", entworfen hatte. "Ich hatte eine Mappe mit Grundideen, konnte mir aber nicht vorstellen, dass mir jemand anderes eine Geschichte dazu schreibt. Die sollte schon eine durchgehende Handlung haben, aber die Bilder erzählen etwas anderes als die Geschichte." Das bedeutete auch für Michael Krüger, den damaligen Verlagsleiter bei Hanser eine Herausforderung. Er war immer sehr angetan, erinnert sich Buchholz, wenn er wieder mit einem neuen Bild erschien, konnte aber nicht glauben, dass der Maler selbst dazu eine Geschichte fand. Doch er bekam die Chance dazu, denn mit "Nero Corleone" und "Am Südpol, denkt man, ist es heiß" zu den Texten von Elke Heidenreich war Quint Buchholz inzwischen zu einem der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Illustratoren geworden.

Seine Bilder, die eine geheimnisvolle Melancholie ausstrahlen, erinnern an Magritte. In schwerelosen Traumszenen fliegen Elefanten, tanzen Menschen, versunken ineinander, oft beobachtet aus Fenstern oder Türen. Der Arbeitsvorgang ist mühsam, Punkt für Punkt, Strich für Strich werden sorgfältig gesetzt. Als Grundierung verwendet Buchholz flüssige Acrylfarben, die er durch eine Art Fixativzerstäuber auf das Blatt sprüht und dann diese Schichten mit einer Zeichenfeder bearbeitet. Eine künstlerische Technik, die viel Zeit erfordert, und es dem 1957 in Stolberg geborenen Künstler nicht leicht machte, nach einem Studium der Kunstgeschichte und der Malerei an der Münchner Kunstakademie die Familie zu ernähren.

Erst mit 43 Jahren feierte er seine ersten Bilderbucherfolge mit "Sarah, die zum Zirkus will" und "Schlaf gut, kleiner Bär".

Sein Leben lang sammelt er Eindrücke, fotografiert und nutzt auch die Computergrafik, doch diese technischen Möglichkeiten machen für ihn die Arbeit nicht leichter. "Ich komme immer wieder an einen Punkt, an dem ich sage: So, jetzt muss ich skizzieren, muss den Stift in der Hand haben, um den Augenblick zu erwischen, in dem man das Gefühl hat, jetzt ist die Idee da. Manchmal aber, wenn man so genau dran ist, macht das Bild noch mal einen Sprung, und ich weiß, es muss anders werden."

Und diese kreativen Sprünge sind auf der Seite zu beobachten, im Vergleich zwischen Skizze und fertigem Bild im Buch. So wird aus dem Maler, der an der Wand arbeitet, der Mann, der seine Arbeit gerade beendet. "Ich wollte einfach, dass er jetzt sein fertiges Werk betrachtet", ist der knappe Kommentar. "Meistens suche ich nach einer bestimmten Offenheit, die das Bild in der Schwebe hält und dem Betrachter ermöglicht, auf seine, nicht auf meine Weise im Bild zu verweilen und sich dort zu bewegen."