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Großformat:Funktion? Emotion!

Designer kultivieren oft ihre Schöpferego und verkaufen sich als Marke. Nicht so Alessandro Mendini und Daniel Eltner, die nicht nur Freunde waren, sondern auch gerne zusammen entwarfen. Die "Diavoletti" waren ihr letztes Projekt.

Für gewöhnlich steckt der Teufel im Detail. Und auch die Besonderheit dieser Teufel sind ihre Details. Gemeinsam ergeben sie die "Diavoletti Family", eine Königsfamilie aus der Unterwelt - man beachte die unterschiedlichen Kronen von Vater, Mutter und Kind. Im verwirklichten Zustand handelt es sich um Keramikfiguren der Firma Cappellini, hier sind die Skizzen ihrer beiden Schöpfer zu sehen.

Einer davon ist Alessandro Mendini, der legendäre Repräsentant des Radical Design. In den Siebzigerjahren sagte er dem omnipräsenten International Style den Kampf an. Mit seinen Sitzmöbeln und Interior-Objekten wurde er zu einem der führenden Designer der italienischen Postmoderne. Funktionalität? Um die ging es hier weniger. Emotionalität! Daher auch die knalligen Farben, die für den Meister charakteristisch sind.

Mendini wurde 87 Jahre alt, er starb im Februar. Die Keramikteufel gehören zu seinen letzten Werken, sie sind auch sein letztes gemeinsames Projekt mit dem deutschen Designer Daniel Eltner. Die beiden lernten sich kennen, als Eltner vor einigen Jahren nach Mitstreitern suchte, um eine Rhinozeros-Plastik nach dem berühmten Holzschnitt von Dürer zu gestalten. Annette Roeckl, Vivienne Westwood und Karl Lagerfeld sagten ab. Mendini hingegen war begeistert - und übersäte das Nashorn mit unzähligen Farbtupfern, angelehnt an den "Proust"-Sessel, sein bekanntestes Werk.

Zwischen ihm und dem deutlich jüngeren Eltner entwickelte sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Mailand und Mittelfranken. Die beiden entwarfen Möbel, schickten sich Zeichnungen per Post. Auch für ihre Diavoletti, in denen mehr Kulturgeschichte steckt, als es auf den ersten Blick scheint. Als Vorlage dienten die Kykladenidole, abstrakte Figurenköpfe aus Marmor, die in der Bronzezeit im Ägäischen Raum entstanden. Die Teufel spielen also auf eine der ältesten Hochkulturen an. Der Kontrast zwischen diesem großen Bezugsrahmen und dem radikal reduzierten, poppigen Design ist eine Provokation, die in ihnen angelegt ist. "Man muss immer auch ein bisschen frech sein, Daniel!" Dieser Appell ist Eltner aus einem seiner letzten Gespräche mit seinem Freund und Kollegen Alessandro im Ohr geblieben.