Grossformat Der "Black Atlantic" lebt!

Der Musiker Max Weissenfeldt hat eine Playlist zusammengestellt. Sie zeigt: Afrika ist dabei, sein Musikgedächtnis zurückzugewinnen.

Von Jonathan Fischer

Afrikas Musikkultur entdeckt gerade seine Wurzeln - und der Berliner Musiker, Komponist und Rhythmusforscher Max Weissenfeldt führt zusammen was zusammen gehört: Rhythmen und Sounds zwischen Addis Abeba, New York, Lagos, Accra und New Orleans. Der "Black Atlantic" lebt! Auch das hier in einigen Stills vorgestellte Musikvideo schafft Querverbindungen zwischen der Musikszene Ghanas, musikalischen Knotenpunkten Afrikas und der schwarzen Diaspora. Weissenfeldt hat es zusammen mit dem Rapper Roy X und dem Sänger Y-Bayani diesen Januar in Saltpond, einem verschlafenen Fischernest an der Goldküste Ghanas, gedreht. Die Bilder erzählen eine einfache Geschichte von Liebe und Verrat: Der Held rettet eine junge Frau vor ihrem gewalttätigen Liebhaber, sie verliebt sich darauf in ihn. Viel komplizierter ist die von Weissenfeldt komponierte Musik: Eine Mischung aus HipHop-Ästhetik, afroamerikanischem Funk und den flirrenden Gitarren des ghanaischen Highlife. Letzterer prägte bis Ende der 70er Jahre den Pop Westafrikas. Dann brachte die Militärdiktatur in Ghana die Musik zum Stillstand. Wegen nächtlicher Ausgangssperren schlossen die meisten Live-Clubs, der Highlife geriet zugunsten synthetischer Beats in Vergessenheit. Dass junge Rapper und Sänger heute wieder Highlife-Gitarristen ins Studio holen, das liegt auch an Weissenfeldt. Er hat auf seinen Feldforschungs-Trips den Pop-Nachwuchs für alte Highlife-Aufnahmen begeistert. "Sie entdeckten zum ersten Mal ihre eigenen Roots." Die Roots-Suche ist Weissenfeldts Lebensthema: Er begann einst als Schlagzeuger der Münchner Funkband Poets of Rhythm, jammte später mit dem Sun Ra Arkestra und den Weltmusik-Veteranen von Embryo, produzierte für Jimi Tenor und ghanaische Popstars wie Guy One. Weissenfeldts Playlist spiegelt seine kaleidoskopischen Einflüsse wieder. Ob auf Alben solcher Stars wie Dr. John und Lana Del Rey oder mit seiner Band, den Polyversal Souls - er verfolgt eine Mission: Die Archive afrikanischer und afroamerikanischer Musikkulturen für den Pop von heute urbar zu machen.

Die Playlist von Max Weissenfeldt:

Yusef Lateef - Passacaglia

Sun Ra Arkestra - Sunst On The Nile

Duke Ellington Orchestra - West Indian Pancake

Dr. K. Gyasi and his Noble Kings - Sikyi High-Life Part 1

King Onyina -Akwantu Mu Nsem

Christy Azuma and Upper Internationals - Naam

Cardinal Rex Lawson - Wasegnibo/Peri Special Mbanga

Ama Maiga - Deny Tologuelen

Ebo Taylor - Love And Death

The Ogyatanaa Show Band - You Monopolise Me

Nananom - Medofo

Yusef Lateef - Passacaglia

Sun Ra Arkestra - Sunst On The Nile

Duke Ellington Orchestra - West Indian Pancake

Dr. K. Gyasi and his Noble Kings - Sikyi High-Life Part 1

King Onyina -Akwantu Mu Nsem

Christy Azuma and Upper Internationals - Naam

Cardinal Rex Lawson - Wasegnibo/Peri Special Mbanga

Ama Maiga - Deny Tologuelen

Ebo Taylor - Love And Death

The Ogyatanaa Show Band - You Monopolise Me

Nananom - Medofo

Eddie Okwedy & His Maymores Dance Band - Happy Survival

Celestine Ukwu - Mme Anyi Egbuna Anyi

I.K. Darin and His Blue Spots - Seni Ma Bimo Lemo

Cardinal Rex Lawson - Pay Me My Money

Yamoah's Band - Saman Me

Moondog - Oasis

Duke Ellington Orchestra - ESP

Thelonious Monk - Let's Cool One

Thelonious Monk with the Duke Ellington Orchestra -

Monk's Dream/Frere Monk

Thelonious Monk - Friday the 13th

Duke Ellington Orchestra - Guitar Amour

Roland Kirk - Spirits Up Above

Sun Ra Arkestra - Nuclear War

Jimi Tenor and Kabukabu - Universal Love

Sun Ra Arkestra - Love In Outer Space

Jimi Tenor and Kabukabu - Suite Meets

Idris Ackamoor and the Pyramids - Whispering Tenderness

Alogte Oho Jonas - Zota Yinne

Moondog - Viking 1