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Großes kleines Off-Theater:50 Jahre TamS

Das Münchner TamS wird 50 - das ist eine Erfolgs- und Überlebensgeschichte und ein bisschen auch ein Märchen: Wie es einer notorisch unterfinanzierten Hinterhofbühne in einem ehemaligen Brausebad gelang, ein halbes Jahrhundert nicht bloß durchzuhalten, sondern in all der Zeit künstlerisch frisch und obenauf zu bleiben, ein Liebling des Publikums und eine Münchner Institution. Denn das ist das TamS, das Theater am Sozialamt in Schwabing, immer noch. Eröffnet 1970 von zwei Theaterversessenen, dem 1987 verstorbenen Sprachspieler Philip Arp und seiner noch immer theateraktiven Frau Anette Spola, hat sich das winzige Haus stets seinen Gründergeist bewahrt: ein Ort zu sein für das Querständige und Schräge, das Paradoxe und Versponnene, für die Poesie und die Melancholie. Der Hausgott heißt Karl Valentin. Dem bayerischen Weltkomödianten, ist nicht nur die Trauerweide im lauschigen Hof des TamS gewidmet, sondern auch manch ein Abend.

"Hier lebt die Fantasie schon sehr lange zusammen mit dem Humor und in einer Art Gütergemeinschaft", schreibt der große Kabarettphilosoph Gerhard Polt in dem reich bebilderten Band zum runden Geburtstag der Bühne: "TamS Theater 50" (Foto), erschienen im Athena Verlag. Ein munteres Buch: Familienalbum, Erinnerungsband und gelebte Münchner Kulturgeschichte. Weggefährten, Journalisten und Freunde kommen darin zu Wort, darunter aktive TamS-Künstler und Künstlerinnen wie die Kabarettistin Maria Peschek oder der Puppenspieler und Regisseur Lorenz Seib, der das Theater inzwischen leitet. Der Schweizer Groteskmusiker Ruedi Häusermann hat im TamS seine Karriere gestartet, auch der junge Herbert Fritsch hat hier gespielt, Urs Widmer hat für das Theater geschrieben und inszeniert. Andere sind gestorben: der feine Otto Grünmandl, der grandiose Jörg Hube. Und inklusiv war man am TamS schon, als es noch gar keinen Begriff für die Einbeziehung behinderter Menschen gab. Blättert man durch die Geschichte dieses kleinen großen Off-Theaters wird wieder etwas vom alten Künstler-Schwabing lebendig. Etwa davon hat überlebt, in einer Hinterhofparzelle.

© SZ vom 25.01.2020
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