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Graphic Novel "Sabrina":Unheimliche Nachbarn

Nick Drnaso zeichnet in "Sabrina" die USA als psychotisches Land. Seine Graphic Novel wurde für den Man-Booker-Preis nominiert. Literaturpreise für Comics? Unbedingt.

Von Alex Rühle

Eine junge Frau passt auf das Haus ihrer Eltern auf. Sie versorgt die Katze, macht Tee, räumt auf und strahlt bei diesen Alltagsverrichtungen eine freundliche Ruhe aus. Ihre Schwester kommt kurz vorbei, die beiden wirken sehr vertraut und planen eine gemeinsame Reise. Am Ende dieses Auftaktkapitels sieht man die junge Frau das Haus verlassen und ahnt im Grunde schon, dass sie nie wieder auftauchen wird. Aber warum? Liegt es daran, dass die Bilder teilweise aussehen, als hätte ein unbekannter Dritter die Szene von draußen, aus dem Dunkel der Anonymität beobachtet? Oder weil die beiden Schwestern im Gespräch immer wieder Gewalt andeuten, ohne dass diese explizit zum Thema wird? Jedenfalls sickert von Anfang an etwas Unheimliches in diese Bilder ein, ähnlich einem Geruch, der unterm Türschlitz durchweht, wodurch der Comic-Künstler Nick Drnaso atmosphärisch sehr geschickt den Boden für sein eigentliches Thema bereitet.

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