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Krise bei den Grammys:Geschasste Grammy-Chefin erhebt Vorwürfe gegen Recording Academy

Grammy chief suspended days before awards gala

Deborah Dugan war eigentlich eingesetzt worden, um mehr Diversität in den Jungs-Club zu bringen.

(Foto: AFP)

Deborah Dugan war eigentlich im vergangenen Jahr in die Academy berufen worden, um mehr Diversität in den "Jungs-Club" zu bringen. Nun klagt sie über Belästigung, steht aber auch selbst in der Kritik.

Wenige Tage vor der Verleihung der Grammys, der wichtigsten internationalen Auszeichnung der Musikbranche, ist die Recording Academy, welche die Preise vergibt, mehr mit sich selbst als mit den anstehenden Würdigungen beschäftigt. Deborah Dugan, seit August 2019 die Vorsitzende der Academy, hat bei der US-Bundesbehörde, die für Probleme mit Diskriminierung am Arbeitsplatz zuständig ist, gegen ihren Arbeitgeber Beschwerde eingelegt. Dugan war vergangene Woche beurlaubt worden, nachdem eine Mitarbeiterin, laut New York Times die Assistentin ihres Vorgängers Neil Portnow, Mobbingvorwürfe gegen sie erhoben hatte.

Die Anschuldigungen sollen bereits im November vorgebracht worden sein. Dugan kontert nun und erhebt ihrerseits schwere Vorwürfe gegen die Academy. Ihre Beurlaubung sei ein Racheakt, weil sie gegen sexuellen Missbrauch und Vetternwirtschaft vorgegangen sei. Es heißt, die Academy soll Dugan zum Rücktritt aufgefordert haben, woraufhin sie eine 22-Millionen-Dollar-Abfindung gefordert habe; Dugan weist das von sich. In ihrer 44-seitigen Beschwerde an die Bundesbehörde soll stehen, dass Vergewaltigungsvorwürfe gegen Neil Portnow vor dem Vorstand der Academy geheim gehalten wurden, als dieser über eine Bonuszahlung für ihn abstimmte. Eine anonyme Musikerin beschuldigt Portnow, sie nach einem Konzert in der Carnegie Hall in New York vergewaltigt zu haben. Portnow streitet die Vorwürfe ab. Dugan selbst wirft dem Anwalt Joel Katz, der die Academy vertritt, sexuelle Belästigung vor. Bei einem gemeinsamen Abendessen soll er sie wiederholt "Baby" genannt, in sein Privatflugzeug eingeladen und versucht haben, sie zu küssen. Katz streitet die Vorwürfe ebenfalls ab.

Harvey Mason Jr., der Dugan während ihrer Abwesenheit vertritt, wirft in einer Stellungnahme die Frage auf, warum Dugan mit den Vorwürfen erst jetzt an die Öffentlichkeit gehe. Dabei soll Dugan bereits im Dezember beim Leiter der Personalabteilung der Academy Beschwerde eingelegt haben. Schon damals warf sie der Academy Unregelmäßigkeiten bei den Abstimmungen, Interessenskonflikte, Missmanagement und unverhältnismäßig hohe Ausgaben für externe Rechtsberatungen vor. Teilweise sollen Künstler über ihre eigenen Werke abgestimmt haben.

Deborah Dugan war eigentlich im vergangenen Jahr als Nachfolgerin Portnows berufen worden, da der Academy wiederholt vorgeworfen worden war, nicht-weiße und weibliche Künstler bei der Preisvergabe zu benachteiligen. Dugan war eingesetzt worden, um die Strukturen in Hinblick auf mehr Diversität umzubauen. Zuvor hatte es Vorwürfe gegeben, die Academy werde, ähnlich der Oscar-Academy, von einem "Jungs-Club" beherrscht. Vor ihrer Arbeit für die Grammys war Dugan als Anwältin tätig, in der Musikbranche und für Red, das Wohltätigkeitsunternehmen des U2-Sängers Bono.

Trotz der internen Konflikte sowie der Vorwürfe von Unregelmäßigkeiten und Absprachen bei den Nominierungen sollen die Grammys wie geplant am kommenden Sonntag zum 62. Mal in Los Angeles verliehen werden.

© SZ vom 24.01.2020
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