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"Gracia"-Skandal:"Manipulation ist dämlich"

Der Skandal um die gekaufte Platzierung des Sängerglückchens Gracia beim nächsten Grand-Prix in Kiew weitet sich aus. Produzent Brandes soll Sommerhits versprochen haben, die Staatsanawaltschaft ermittelt und die Zweitplatzierten des nationalen Singsang-Contests melden ihre Ansprüche auf ein Ticket in den Schlagerhimmel an.

Die Affäre um den unter Manipulationsverdacht stehenden Musikproduzenten David Brandes weitet sich aus: Wegen Betrugsverdachts ermittelt nun die Staatsanwaltschaft im baden-württembergischen Lörrach.

Gracia

Hat derzeit wenig zu lachen: Gracia

(Foto: Foto: ddp)

Dabei geht es aber nicht um die angeblichen gezielten Plattenkäufe für die deutsche Grand-Prix-Kandidatin Gracia, sondern um einen Produktions- und Vermarktungsvertrag aus dem Mai 2003, wie Staatsanwalt Rolf Stolle sagte.

Mehrere Musiker sprachen sich für eine Disqualifizierung Gracias vom Eurovision Song Contest in Kiew aus.

Stolle sagte, "die Anzeige einer aus mehreren Personen bestehenden Gesellschaft ist Mitte März 2005 eingegangen". Brandes war zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Der Produzent, der in Weil am Rhein die Firma Bros Music leitet, soll laut der Anzeige von der Gesellschaft 150.000 Euro für die Produktion einer CD erhalten haben. Den Titel und den Interpret konnte Stolle nicht nennen.

Brandes hat der Anzeige zufolge zugesichert, dass er die Platte noch bis August 2003 zu einem Sommerhit machen werde, was aber fehlschlug. "Nun fühlen sich die Anzeigensteller betrogen", berichtete Stolle. "Aus ihrer Sicht hat Brandes sie über die Unwägbarkeiten des Geschäfts nicht ausreichend aufgeklärt."

Laut Stolle wird Brandes zu der Sache noch angehört werden, entweder schriftlich oder persönlich.

Anfang der Woche waren vier Singles und zwei Alben wegen Manipulationsverdachts aus den Charts genommen worden, alle wurden von Brandes produziert.

Die Titel sollen gezielt gekauft worden sein, um sie in der Hitparade nach oben zu hieven. Darunter ist auch der deutsche Beitrag für den Eurovision Song Contest in Kiew, "Run & Hide" von Gracia. Laut dem deutschen Phono-Verband ist der Fall einmalig in der deutschen Chart-Geschichte.

Von dem Ausschluss betroffen sind neben der Gracia-Single die Titel "I Know" und "Blue Tattoo" von Vanilla Ninja, "Heaven is a Place on Earth" von Virus Incorporation sowie die Alben "Traces of Sadness" und "Blue Tattoo" von Vanilla Ninja. Brandes hatte eine interne Untersuchung angekündigt und erklärt, der Kauf von eigenen Produkten sei in der Branche gängig, um Vertriebswege zu kontrollieren.

Der Sänger Udo Jürgens verlangte die Disqualifizierung Gracias vom Eurovision Song Contest. "Wenn hier wirklich ein so klarer Versuch von Betrug vorliegt, dann ist Gracias Sieg beim Grand-Prix-Vorentscheid natürlich nicht gültig", sagte der 70-Jährige der "Bild"-Zeitung.

"Dann darf sie nicht beim Grand-Prix singen. Es muss jetzt ganz klar der Zweitplatzierte nachrücken." Dann würde der Ralph-Siegel-Song "A Miracle Of Love" zum Zug kommen, gesungen von Nicole Süßmilch und Marco Matias, die unter dem Namen Under One Flag auftreten.

Auch die Schlagersängerin Nicole sprach sich für einen Rückzug von Gracia aus. "Das Kind ist tot geboren", sagte sie und verurteilte etwaige Manipulationen. Der Schweizer Musiker DJ Bobo sagte: "Das ist illegal und dumm." Manipulation sei dämlich und koste einen "Haufen Geld". Das bringe gar nichts.

Inzwischen melden Nicole Süßmilch und Marco Matias ihre Ansprüche als nun rechtmäßige Landesvertreter in Kiew auch an. "Gracia hat uns um den Sieg gebracht", sagte Sänger Marco Matias dem Kölner "Express".

© Quelle: sueddeutsche.de / AP / dpa / ddp
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