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Kunstdiebstahl von Gotha:Kein Lösegeld

1979 gestohlene Gemälde kommen zurück nach Gotha

Die wieder aufgetauchten Gemälde werden bei einer Pressekonferenz in der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha präsentiert.

(Foto: dpa)

Nach monatelangen Verhandlungen mit einem Mittelsmann kehren 1979 gestohlenen Altmeister zurück nach Gotha. Aufgeklärt ist der Fall aber nicht.

Es war einer der spektakulärsten Kunstdiebstähle - und aufgeklärt ist er immer noch nicht. Doch die fünf 1979 aus Schloss Friedenstein in Gotha gestohlenen und bis vor kurzem verschollen geglaubten Altmeister-Gemälde sind sicher zurück. Gestern wurden sie in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie stammen von Hans Holbein dem Älteren, Fran Hals, einem unbekannten Künstler nach Anthonis van Dyck und Ferdinand Bol. Ein Bild stammt aus der Werkstatt Jan Brueghel des Älteren.

Die Geschichte ihrer Rückkehr begann im Juli 2018, als der verlorene Bilderschatz dem Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch von Unbekannten über einen Mittelsmann zum Kauf angeboten wurde. Als Beweis präsentierte man ihm ein Farbfoto eines der Bilder, das an einer Wohnzimmerwand mit Rauhfasertapete hing. Ursprünglich hatten die anonymen Anbieter eine Millionensumme für die Herausgabe der Gemälde verlangt, deren Versicherungswert auf vier Millionen Euro geschätzt wird.

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Dass am Ende kein Lösegeld gezahlt wurde und trotzdem alle fünf Bilder zurückgegeben wurden, sei eine "diplomatische Meisterleistung", sagte die auf Kunstrecht spezialisierte Berliner Anwältin Friederike von Brühl gestern. Die von Kreuch im Zuge der Verhandlungen mit ins Vertrauen gezogene Ernst von Siemens Kunststiftung übernahm lediglich die Kosten für Anwälte und Logistik. "Es geht kein Geld an Diebe. Das macht man nicht", erklärte Martin Hoernes, Generalsekretär der Kunststiftung. Kunstdiebstahl soll sich auch in Zukunft nicht lohnen.

Monatelang hatte Kreuch mit dem Mittelsmann verhandelt. Nach zwei gescheiterten Übergabeversuchen seien die Bilder dann am 30. September 2019 tatsächlich im Hof des Berliner Rathgen-Forschungslabors aus einem Transporter geladen worden und auf diese Weise in das Eigentum der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zurückgelangt. Alle Gemälde wiesen Schäden auf, seien aber trotzdem in einem relativ guten Zustand, erklärte Stefan Simon, Direktor des zu Berlins Staatlichen Museen gehörenden Labors, das in den letzten Monaten die Echtheit der Bilder geprüft hat. Vor ihrer Restaurierung werden sie ab Montag für sechs Tage im Herzoglichen Museum in Gotha ausgestellt.

Wer die Diebe waren, und was genau nach ihrem Coup mit den Bildern geschah, das konnten oder wollten die Ermittler nicht sagen. Sie erklärten lediglich, dass die Bilder in den Achtzigerjahren von Privatleuten aus der DDR in die Bundesrepublik gebracht worden waren. René Allonge vom Berliner Landeskriminalamt bestätigte auch, dass seine Behörde weiter wegen des Verdachts auf Erpressung ermittle.

© SZ vom 18.01.2020
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