Golden Globes abgesagt Warum Hollywood streiken muss

Sollen sie doch ihre Prada-Gürtel enger schnallen, mag sich mancher Beobachter ob der Streiks in Hollywood denken. Doch das Engagament von Stars sollte man nicht belächeln.

Von Andrian Kreye

Es mag schwerfallen, sich für einen Arbeitskampf zu begeistern, der von Menschen geführt wird, die Traumjobs im goldenen Kalifornien haben. Bekommen Drehbuchautoren wie Joe Esterhasz und Shane Black nicht viele Millionen Dollar Honorar für eine Arbeit, die reines Vergnügen ist? Sind die Solidaritätsbezeugungen der Hollywoodstars nicht nur hohle Gesten verwöhnter Multimillionäre? Sollen sie doch ihre Pradagürtel enger schnallen.

Das Engagement von Stars sollte man prinzipiell nicht belächeln. Wenn sich Leonardo DiCaprio für die Umwelt einsetzt, wenn Bono für Afrika agitiert oder sich eben sämtliche Hollywoodstars hinter die Gilde der Drehbuchautoren stellen, dann geben sie einem abstrakten Thema zunächst einmal ein Gesicht. Und wenn Hollywood für eine Reform der Verwertungskette kämpft, dann geht es nicht um Privilegien, sondern um die Grundlagen einer ökonomischen Zukunft.

Zeitalter der Talente und Patente

Was die Drehbuchautoren mit den Studios in den buchhalterischen Haarspaltereien um Prozentpunkte verhandeln, sind letztlich Anteile an den Profiten der Zukunft. Nicht nur in Hollywood, auch in jedem deutschen Urheberrechtsvertrag tauchen immer öfter Formulierungen auf, die den Anteil an Gewinnen aus noch nicht entwickelten Medien und Vertriebswegen regeln. Im wirtschaftlichen Sinne wird hier präventive Kriegsführung betrieben. In den meisten Fällen sind Urheber und Autoren die Verlierer.

Weil sich in der Weltwirtschaft aber gerade ein Paradigmenwechsel vollzieht, weil sich die Produktion in die Schwellen- und Entwicklungsländer verlagert, während die Industrienationen am Beginn des Zeitalters der Talente und Patente stehen, wird geistiges Eigentum immer wertvoller. Patente, Lizenzen und Tantiemen werden in Zukunft den Mehrwert einer modernen Gesellschaft erwirtschaften. Dazu gehören selbstverständlich auch die Inhalte und Ikonen der Kultur und Unterhaltung.

Keiner hat das so begriffen wie Walt Disney, dessen Konzern bis heute streng darüber wacht, dass Micky Maus und Donald Duck kein ungenehmigtes T-Shirt, kein nicht lizensiertes Bild zieren. Wer die Rechte an einer Serienfigur wie James Bond, Jason Bourne oder Stephan Derrick hält, deren Geschichten weltweit vertrieben werden, der hat sich buchstäblich einen Goldesel geschaffen.

Kein Wunder also, dass die Filmstudios und Verlage versuchen, die Urheber dieser Werte aus möglichst vielen Stufen der Verwertungskette herauszuhalten. Dazu kommt das paradoxe Geschäftsmodell des Internet. Nicht der Inhalt, also das Produkt, verdient hier das Geld, sondern der Vertriebsweg. Von Anfang an wurden Inhalte im Internet gratis verteilt. Bezahlt wurde der Anschluss.

Wenn sich die Stars und hochbezahlten Drehbuchautoren also gegen diese Entwicklung stellen, dann sind sie Pioniere in einem Kampf um unsere Zukunft.