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"Godzilla":Monster im Mittelpunkt

Godzilla 2014

In "Godzilla" tobt der Kampf zwischen einer Riesenechse und zwei spinnenartigen Monstern.

(Foto: Warner Bros. France)

Gegen die vielen Viecher in Gareth Edwards' neuem "Godzilla" haben menschliche Darsteller gar keine Chance mehr. Aber das ist nicht unbedingt schlecht.

Die Fallschirmspringer stürzen sich in höchsten Höhen aus dem Militärflugzeug in einen weiten, bedrohlich glühenden und flackernden Nachthimmel. Mit Leuchtfackeln ziehen sie lange rote Rauchstreifen hinter sich durch die Luft, wie pulsierende, blutige Schlieren. Schließlich durchbrechen sie die gewaltige Wolkendecke - und die Welt wird grau und dunkel, das Bild trüb.

Unten am Boden wartet San Francisco, in Trümmern, umhüllt von einer riesigen Aschewolke, in die sich langsam das dunkle Rot der Rauchstreifen mischt. Die Springer, nun in den verlassenen Straßenzügen der einst bunten Stadt gelandet, packt die pure Panik. Denn hier tobt ein Kampf zwischen drei gigantischen Urzeitmonstern: der Riesenechse Godzilla und zwei spinnenartigen Wesen, "Mutos" genannt, deren Krallen so groß sind wie Zugwagen. Im Vergleich zu diesen mutierten Biestern wirkt die Stadt, die sie zerstören, wie eine winzige Miniaturwelt. Wie Götter thronen sie auf den Hochhäusern, deren Größe sie um ein Vielfaches überragen.

Selten konnten die Menschen im Kino weniger gegen Monster ausrichten als hier: nämlich gar nichts. Die Viecher fechten ihren Kampf allein unter sich aus, der Mensch wird zur Befriedung dieses Streits, der als Kollateralschaden seinen kompletten Lebensraum zerstört, nichts beizutragen haben - trotz aller militärischen Mühen. Er bleibt Zuschauer von etwas Größerem, was ihn ebenso fasziniert wie der rote Abendhimmel, ebenso benebelt wie die Wolkendecke, ebenso bedroht wie die Trümmeraschenhülle. Himmel, Fegefeuer, Hölle: Gareth Edwards' "Godzilla" ist ein dantesker Film, eine Jenseitswelt, die man durchwandern, aber in der man kaum noch handeln kann.

Wiedererweckt durch Atombombenabwürfe

Edwards' Film wirkt, als habe er selbst wie ein Monster sämtliche vorhergehenden Godzillas verschlungen. Das Filmplakat des japanischen Originals von 1954, der das Monsterfilm-Genre in Japan begründete, taucht ebenso auf wie Aussehen und Feuerspeien des alten Monsters. Das über den Vorspann gelegte Archivmaterial mit Atombombenexperimenten aus den Fünfzigern verweist auf den ursprünglichen Kontext: Im Film von Ishirô Honda wurde das urzeitliche Monster aus der Tiefe des Meeres durch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wiedererweckt. Direkt darauf macht Edwards einen Sprung nach 1999 - also ein Jahr nach dem "Godzilla" von Roland Emmerich. Auf den Philippinen findet man in einer Mine ein uraltes Skelett - und darin ein frisch aufgebrochenes Ei.

Dieser Godzilla aber ist kein Ausdruck des kollektiven Atombombentraumas oder irgendeiner öko-politischen Botschaft mehr, noch taugt er als Vorlage für die One-Man-Show eines freakigen Wissenschaftlers wie bei Emmerich. Er ist einfach ein Wesen, das mit dem Menschen die Erde teilt und nicht zu bezwingen ist. Ihm ist nicht mal mit Atombomben beizukommen - im Gegenteil. Nach dem Zweiten Weltkrieg führt der missglückte Versuch seiner nuklearen Zerstörung zur Kreation jener feindseligen "Mutos", die aus Radioaktivität ihre Energie beziehen, gerne in Atomkraftwerken brüten und schon mal Nuklearsprengköpfe wie Fingerfood naschen. Was sich im Folgenden zwischen Japan, Hawaii und San Francisco abspielen wird, wird also nicht gerade eine lahme Stehparty.

Ein urzeitliches Knarren und Basswabern, das in den Kreaturen eine unheimliche Präsenz jenseits des menschlichen Einflussbereichs verstärkt - das war schon in Edwards' erstem Langspielfilm so, dem sehr erfolgreichen "Monsters", ein Low-Budget-Film, der Edwards damals die Türen Hollywoods öffnete. Dort machten sich ein Journalist und eine junge Frau von Mexiko auf durch eine von ebenfalls unbesiegbaren Aliens "infizierte" Zone zurück in die USA.