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Gleichstellung:Nur bei sieben Prozent der Hollywood-Filme führten Frauen Regie

Drei Frauen, die der seltenen Gruppe der erfolgreichen Hollywood-Regisseurinnen angehören: Kathryn Bigelow ("Hurt Locker"), Jodie Foster ("Money Monster") und Sofia Coppola ("Lost in Translation")

(Foto: AFP)

Und das sind noch weniger als im Vorjahr. In anderen Schlüsselfunktionen der Filmbranche sieht es kaum anders aus.

Es ist als hätte es den Aufschrei in Cannes nie gegeben. Im Jahr 2012 haben Tausende Filmemacher eine Petition gegen die Einladungspolitik des Festivals unterschrieben. Das hatte 22 Filme für die Goldene Palme nominiert - kein einziger davon war von einer Frau.

Fünf Jahre später sieht es nicht so aus, als ob sich der Wunsch der Unterzeichner bald erfüllen wird. Wie eine neue Studie zeigt, ist die Zahl der Frauen, die 2016 bei den 250 größten Hollywood-Produktionen Regie geführt haben, sogar noch gesunken. 2015 lag der Anteil noch bei neun Prozent. Im vergangenen Jahr sind es nur noch sieben Prozent gewesen, heißt es in der Untersuchung des Center for the Study of Women in Television & Film, einer Forschungseinrichtung der San Diego State University.

"Ich bin sprachlos", sagte Martha Lauzen, geschäftsführende Direktorin des Instituts, dem Branchenblatt Variety. "Wenn bei all der Aufmerksamkeit und dem Gerede, die dem Thema in den vergangenen Jahren zukamen, die Zahlen sogar noch sinken, dann ist das ein klarer Hinweis darauf, dass die ergriffenen Maßnahmen nicht funktionieren."

Damit könnte sie recht haben. Die Untersuchung zeigt nämlich weiter, dass Frauen auch bei den anderen Schlüsselfunktionen deutlich unterrepräsent sind. Nur 35 Prozent der Produzenten, Drehbuchautoren, Cutter oder Kameraleute seien bei den 250 größten Produktionen Frauen gewesen.

Vor allem bei Action- und Horrorfilmen würden demnach beinahe ausschließlich Männer engagiert. Bei Dokumentarfilmen und Dramen sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass Frauen zum Einsatz kämen.

Zu den wenigen Großproduktionen, bei denen Frauen 2016 Regie führten, zählen Jodie Fosters "Money Monster", Sharon Maguires "Bridget Jones's Baby", Mira Nairs "Queen of Katwe" und Andrea Arnolds "American Honey".

Im Jahr davor waren weibliche Regisseurinnen für zwei große Blockbuster verantwortlich: Sam Taylor Johnson für "Fifty Shades of Grey" und Elizabeth Bank für "Pitch Perfect 2".

2017 verspricht für Frauen allerdings ein wenigstens etwas besseres Filmjahr zu werden. Denn etliche Regisseurinnen haben für ihre Filme bereits einen Verleih gefunden: Niki Caro kommt am 11. Mai mit "Die Frau des Zoodirektors" in die deutschen Kinos, Patty Jenkins am 15. Juni mit "Wonder Woman", Sofia Coppola am 22. Juni mit "The Beguiled" und Lucia Aniello am 29. Juni mit "Rock That Body".

© SZ.de/pak/biaz
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