Giovanni BoccaccioUngenierter Sex und subversive Kritik

Lesezeit: 8 Min.

Giovanni Boccaccio (digital restaurierte Reproduktion einer Vorlage aus dem 19. Jahrhundert)
Giovanni Boccaccio (digital restaurierte Reproduktion einer Vorlage aus dem 19. Jahrhundert)
Imago/H.Tschanz-Hofmann

Sie glauben, der vor 650 Jahren gestorbene Giovanni Boccaccio hat nichts mit Ihnen zu tun? Weit gefehlt. Mit Dante und Petrarca erfand er die Literatur der Neuzeit – und rettete sogar die Liebe vor den Predigern.

Ein Gastbeitrag von Kurt Flasch

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Boccaccio kommt wieder einmal nach Deutschland. Er war schon öfter hier, bereits Lessing entnahm ihm die Ringparabel. Friedrich Schlegel folgte in der Wertschätzung. Boccaccio verschwand manchmal auch wieder; er hatte bei uns nicht immer nur Freunde. Er wurde zurückgestellt, verboten und „interpretiert“. Aus Dante konnte Hugo Friedrich 1942 mit Mühe unter dem Titel „Rechtsmetaphysik“ sogar etwas Völkisches herauslesen. Bei Boccaccio ging das nicht. In seinem „Decameron“ steckt zu viel Kritik und zu viel ungenierter Sex.

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