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Gespräch:Austausch der Außerirdischen

Der Auftakt einer neuen Reihe zu Wissenschaft und Poesie

Von Antje Weber

Wenn ein Dichter und ein Wissenschaftler den jeweils anderen vorstellen sollen, klingt das zum Beispiel so: Er sei ein "Universalschreiber", ein "Sprachalchemist", sagt der Astrophysiker Joachim Wambsganß über Raoul Schrott. Dessen "Erste Erde Epos" über die Entstehung der Welt sei so gewaltig wie gewichtig; unter anderem findet er darin eine "Freude am Spiel", die Poeten und Astronomen verbinde. Der Schriftsteller Raoul Schrott wiederum hat sich durch einen Aufsatz des Direktors des Zentrums für Astronomie der Universität Heidelberg gearbeitet und lobt: "Äußerst gut verfasst für einen Wissenschaftler!" Dessen Text über Schwerkraftlinsen sei "durchgängig klar, logisch und zugänglich".

Wie können Wissenschaftler und Dichter - wieder - miteinander ins Gespräch kommen? Denn sie sitzen, anders als noch zu Goethes und Schillers Zeiten, angesichts zunehmender Spezialisierung heute wie "Außerirdische" (Schrott) nebeneinander auf einem Podium in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Sie wieder einander anzunähern ist das Ziel einer neuen Reihe in Kooperation von Akademie und Lyrik Kabinett. In der durchweg hervorragend besetzten Reihe (nächster Termin: 13. Februar) sprachen zum Auftakt Wambsganß und Schrott, moderiert von Jeanne Rubner, über den "Himmel".

Fasziniert sind sie gleichermaßen von den Gesetzen des Kosmos; allein schon die Teleskope, mit denen beide bereits in der chilenischen Atacama-Wüste ins All schauen durften, erscheinen Schrott in ihrer Schönheit "wie moderne Götter". Und auch wenn der ungewöhnlich universal gebildete Dichter ausschweifender von einem Gedanken zum anderen mäanderte, der Astrophysiker nüchterner auf den Punkt kam: Letztlich wollen beide verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Auch die Wissenschaft greift dabei, wie Schrott ausführte, auf metaphorische Vorstellungen zurück. Doch lässt sich, so fragte er sich, mit unserer Sprache, unseren Denkmustern "die Welt da draußen" überhaupt angemessen darstellen?

Antworten darauf sind schwierig, und überhaupt wurde vieles - wie die historische Funktion der Poesie als Wissensspeicher oder religiöse Komponenten - an diesem Abend nur gestreift. Doch interessant war das Ringen um eine gemeinsame Sprache unbedingt. So umriss Schrott das Wesen der Poesie knapp mit den drei Elementen Bild, Musik und Aussage. "Musik fehlt manchmal bei unseren Texten", gab der Astronom zu, und lächelnd fügte er in des Dichters Richtung hinzu: "Wir sollten in Kontakt bleiben."

© SZ vom 24.01.2019
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