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Geschichtsklitterung in "Zero Dark Thirty":2. Untergrabe das Gesetz

Folter ist sowohl nach amerikanischem als auch nach internationalem Recht illegal. Es wurde nur in einer Reihe von geheimen Memoranda für "legal" erklärt, die das Justizministerium unter Bush herausgab und denen die höchsten Regierungskreise zustimmten. Hochrangigen Regierungsmitgliedern, darunter Dick Cheney und der Nationale Sicherheitsbeauftragte Condoleezza Rice, wurden nachweislich verschiedene Foltertechniken im Weißen Haus vorgeführt, bevor sie dazu grünes Licht gaben. Sie waren davon überzeugt, dass es keinen rein legalen Weg gab, die amerikanische Bevölkerung zu schützen. Deswegen fragten sie nach geheimen rechtlichen Befugnissen, um die Folter im weltweiten Krieg gegen den Terror einsetzen zu können - und die bekamen sie auch.

Bigelow gibt sich erst gar nicht damit ab, dass das Recht neu interpretiert wurde. Sie setzt die Legalität der Taten, die sie aus nächster Nähe zeigt, voraus und sichert sich nur mit dem Ende des Films ab, wo sie beiläufig darauf hinweist, dass das Rechtssystem ein potenzieller Hemmschuh für die Ergreifung Bin Ladens war. "Wen zur Hölle soll ich [nach Bestätigungen für die Informationen des Kuriers] fragen, einen Typen in Gitmo, der sich einen Anwalt nimmt?", fragt Obamas Nationaler Sicherheitsberater im Film kurz vor dem Sturm auf Bin Ladens Versteck.

Als die neuen Richtlinien zur Legalisierung der Folter in Kraft traten, wurde auch die Inhaftierung von Terrorverdächtigen ohne Anklage oder Verhandlung (einschließlich solcher, von denen wir heute wissen, dass sie trotz ihrer Unschuld grauenhaft behandelt wurden) zum Modus Operandi der Regierung. Dafür wurden eigens Regierungsanwälte hinzugezogen, die Rechtsgutachten erstellten, mit denen man die Genfer Konvention für bestimmte Häftlinge außer Kraft setzen konnte, um Verhöre unter Bedingungen zu erlauben, die unverfroren nationales und internationales Recht verletzten.

"Zero Dark Thirty" nimmt diese verfassungswidrige Politik hin, ohne sie zu hinterfragen. Von den allerersten Tagen an trieb die US-Regierung im Krieg gegen den Terror Personen auf der ganzen Welt zusammen und begann, sie brutal zu verhören. Egal ob sie wirklich Informationen preisgaben oder nicht, ob es Beweise gegen sie gab oder nicht: Sie hielten Hunderte, im Endeffekt sogar Tausende Gefangene in US-Verwahrung - in geheimen CIA-Gefängnissen auf der ganzen Welt, in Gefängnissen verbündeter Staaten, die ihrerseits für ihre Folterpolitik bekannt waren, im Bagram Detention Center in Afghanistan, und natürlich in Guantanamo, dem Kronjuwel des Offshore-Internierungssystems der Bush-Regierung.

Dan und Maya selbst reisen nicht nur zu diesen Geheimgefängnissen, sie betreten auch die Käfige und Verhörzellen in Bagram, wo Männer in den mittlerweile bekannten, orangenen Overalls gezeigt werden, die auf ihren Albtraum warten. Bigelows Film suggeriert wiederholt, dass es essenziell für die nationale Sicherheit war, einen Pool an potenziellen Informationsquellen zu unterhalten, falls sich doch herausstellen sollte, dass einer von ihnen wichtige Informationen liefern könnte.

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