Geschasste Rowohlt-Verlegerin "Schon wieder eine Frau rausgekippt wie Abfall"

Die geschasste Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz

(Foto: Thorsten Wulff)

Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann, Siri Hustvedt und andere Autoren sind empört über den Rauswurf der Verlegerin Barbara Laugwitz beim Rowohlt-Verlag. Der erzählt einiges über die Buchbranche.

Von Karin Janker

Ein Porträt über Barbara Laugwitz scheitert beinahe daran, dass sich von der Frau, die seit vier Jahren den Rowohlt-Verlag leitet, kein Foto in den üblichen Bilddatenbanken findet. Das aber ist bereits Teil der Geschichte: Laugwitz soll zum Jahresende ihren Posten räumen - mutmaßlich, weil der Verlag jemanden an der Spitze haben möchte, der einen stärkeren Willen zur Selbstprofilierung besitzt. Florian Illies soll neuer Verleger bei Rowohlt werden. Die Buchbranche lechzt nach Geschichten, mit denen sich Bücher verkaufen lassen, und Illies liefert sie.

Von Florian Illies gibt es in den Datenbanken zahlreiche Bilder. Und einen Wikipedia-Artikel, der seine Biografie in griffigen Anekdoten darlegt (Gudrun Pausewang war seine Grundschullehrerin). Illies kennt man als Autor von "Generation Golf" oder "1913 - Der Sommer des Jahrhunderts", als Journalisten, Magazin-Gründer und Gesellschafter des Auktionshauses Villa Grisebach. Barbara Laugwitz hat keinen Eintrag in Wikipedia. Sie teilt mit ihrem Nachfolger das Geburtsjahr 1971, ansonsten wenig.

Doch nun entspinnt sich um Barbara Laugwitz, der eine Kontaktsperre verbietet, über ihren Rauswurf zu sprechen, eine eigene Geschichte: Unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung haben sich zahlreiche Schriftsteller mit der geschassten Verlegerin solidarisiert. Daniel Kehlmann, Jonathan Franzen, Siri Hustvedt und Paul Auster sind empört. Eine brillante und erfolgreiche Frau müsse gehen - obwohl es an den Spitzen der Verlage ohnehin kaum Frauen gebe. Am zornigsten ist Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Sie schreibt: "Jetzt ist schon wieder eine Frau rausgekippt worden wie Abfall."

Laugwitz stand als Verlegerin für die Vereinbarkeit von Unterhaltung und Kunst

Laugwitz hat den Rowohlt-Verlag 2014 von Alexander Fest übernommen. Der war zwölf Jahre zuvor geholt worden, um den Glanz alter Tage zurückzubringen. Schließlich war Rowohlt früher, so sagte es einmal eine Werbekampagne, "ein amerikanischer Verlag, der zufällig in Deutschland" lag: Ernest Hemingway, William Faulkner, Toni Morrison, Thomas Pynchon, Paul Auster sind bis heute Rowohlt-Autoren.

Doch Rowohlt war immer auch ein Mischverlag. Rowohlts Rotationsromane waren Deutschlands erste Taschenbuchreihe, und noch immer gehören Krimis, Liebes- und Fantasyromane zum Portfolio. "Mein Verlag hat kein Gesicht, aber tausend Augen", soll Verlagsgründer Ernst Rowohlt gesagt haben.

Barbara Laugwitz stand als Verlegerin für die Vereinbarkeit dieser Welten, für die Vieläugigkeit des Verlags. Sie hat in Oxford Altphilologie studiert - "aber auch drei Jahre lang im Baumarkt an der Kasse gejobbt", erzählte ihr Kollege in der Doppelspitze, der kaufmännische Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff, einmal. Und: "Wir brauchen auch einen Blick dafür, was normale Menschen gerne lesen".

Die Zahlen waren gut - und die Kunst vernachlässigte sie keineswegs

Zu Rowohlt kam Laugwitz 2005, nach einem Volontariat bei Droemer Knaur und einer Zeit als Lektorin bei Ullstein. Sie begann beim Sachbuch im Taschenbuchbereich; von 2012 an leitete sie die gesamte Taschenbuchsparte im Rowohlt-Mutterhaus. Sie holte Autoren wie Jan Weiler, Eckart von Hirschhausen und Ildikó von Kürthy, deren Bücher Bestseller wurden.

Die Zahlen waren gut unter Laugwitz. Und auch die Sorge ihrer Kritiker, sie kümmere sich zu sehr ums Populäre und vernachlässige die Kunst, erwies sich als unbegründet. Erst kürzlich ermöglichte sie ein Buch mit Theaterstücken Elfriede Jelineks. Dennoch wurde ihr Ende August überraschend gekündigt; "unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg" seien der Grund, sagte Joerg Pfuhl, Vorstand der Holtzbrinck-Buchverlage.

Erschien Barbara Laugwitz, die wirtschaftlich und verlegerisch erfolgreich war, den Holtzbrinck-Vorständen als zu farblos? Laugwitz machte ihre Arbeit gut, aber sie tat sie im Hintergrund. Anders als ihr dürfte man Illies künftig im Fernsehen, in der Presse und vielleicht auch wieder als Buchautor begegnen. Jo Lendle bei Hanser, Felicitas von Lovenberg bei Piper sind Verlegertypen, an denen man sich offenbar auch bei Rowohlt orientieren will. Offen bleibt die Frage, ob man Barbara Laugwitz nicht auch zu einer ähnlich prominenten Figur hätte aufbauen können, wenn man nur gewollt hätte.