bedeckt München 11°

Gerhard Richters letztes Werk:Muster aus Farbe und Licht

Kirchenfenster von Gerhard Richter in der Abteikirche Tholey

Gerhard Richters Kirchenfenster in der Abteikirche Tholey.

(Foto: Oliver Dietze/dpa)

Mit drei Kirchenfenstern beschließt Gerhard Richter sein Lebenswerk.

Von Catrin Lorch

Das Licht fällt in strahlenden Farben in den kühlen, steingrauen Chor der Abteikirche St. Mauritius. An einem sonnigen Tag scheinen warmes Rosarot und Gelb in der Luft zu stehen. Die Scheiben in den drei gotischen Bogenfenstern sind kleinteilig gemustert, doch erwachsen aus den Formen keine Figuren, sie bleiben abstrakt. Dass sie sich dennoch fast organisch in die Architektur der benediktinischen Abteikirche von Kloster Tholey im Saarland einfügen, liegt vielleicht daran, dass der Künstler Gerhard Richter die Vorlagen, die er seinem Buch "Patterns" entnommen hat, dafür spiegelte.

Der an Rorschach-Bilder erinnernde Entwurf ist ebenso radikal wie das aus Tausenden farbigen Quadraten bestehende Fenster, das Richter 2007 in das Südquerhaus des Kölner Doms einbauen ließ. Damals gab es einen Skandal: Kardinal Joachim Meisner fand, das Werk passe "eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus". In dieser Woche blickt das ganze Land dagegen gerührt auf die drei Fenster. Denn der 88-jährige Künstler hat in einem Interview mit dpa gesagt, er werde sein Werk mit dieser Auftragsarbeit abschließen. Schon vor der letzten Ausstellung im Museum Ludwig im Jahr 2017 hatte Richter ganz nüchtern zugegeben, dass es sich wohl um die letzten Gemälde aus seinem Atelier handele, der bedeutendste lebende Maler beendet sein Œuvre nun ganz offiziell in Tholey.

Zur Eröffnung ist der in Köln lebende Gerhard Richter nicht ins Saarland gereist, hat aber angekündigt, er werde sich die Fenster bald ansehen. Die Abteikirche wird in dieser Woche nach zweijähriger Sanierung wiedereröffnet. Abt Mauritius Choriol nannte in einer Pressekonferenz Richters Beitrag "ein unfassbares Geschenk".

© SZ vom 18.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite