Männer, die weiße Anzüge tragen können, sie wirklich tragen können, ohne verkleidet oder sonstwie lächerlich auszusehen, sind eine rare Spezies. Es sind kostbare und fabelhafte Exemplare, ein wenig wie Einhörner. Wie ein solches Fabeltier, wenn auch ein etwas zerrupftes, stolpert Jay Kelly durch eine Schlüsselszene von Noah Baumbachs Film: Verlassen von Freunden, seiner Familie und seiner Entourage, läuft er durch einen nebligen Wald in der Toskana, der aussieht wie ein Zauberwald – oder wie eine etwas zu artifizielle Filmszene. Die Doppeldeutigkeit der Atmosphäre illustriert die Krise, in die der Schauspieler geraten ist: „Mein Leben“, klagt Jay Kelly, „fühlt sich nicht real an.“ Und: „Alle meine Erinnerungen sind Filme.“
FilmHollywood blickt in den Spiegel – und sieht George Clooney
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Der Superstar spielt einen Superstar in der Krise. Noah Baumbachs Tragikomödie „Jay Kelly“ ist ein raffiniertes Vexierspiel – und Lars Eidinger hat einen Gastauftritt als „deutscher Fahrradfahrer“.
Von Martina Knoben
