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Gehört, gelesen, zitiert:Nabokov als Lehrer von Ruth Bader Ginsburg

Die gerade gestorbene, hochverehrte Supreme-Court-Richterin und Frauenrechtlerin hatte einst einen berühmten Lehrer im Schreiben und Sprechen: den Schriftsteller Vladimir Nabokov.

Diese Woche starb die amerikanische Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg, die zweite Frau, die an das oberste Gericht der USA berufen worden war. Sie setzte sich für unbedingte Gleichberechtigung ein, sie war bekannt für Beharrlichkeit und ihre klugen Argumentationen. Immer wieder bezog sie sich in Texten und Interviews auf den Schriftsteller Vladimir Nabokov, bei dem sie als junge Studentin Seminare besucht hatte und der ihr eigenes Schreiben - und vermutlich auch ihr Sprechen als Richterin - maßgeblich beeinflusst habe. So schrieb Sie über ihn in der New York Times:

"Mein Professor für Europäische Literatur an der Cornell University, Vladimir Nabokov, veränderte, wie ich lese und schreibe. Ich lernte von ihm, dass Worte Bilder malen können. Die Auswahl des richtigen Wortes und die richtige Wortreihenfolge, machte er deutlich, können einen gewaltigen Unterschied machen, wenn man ein Bild oder eine Idee vermitteln möchte."

Und in einem Interview sagte sie über ihn:

"Bis heute kann ich manche der Dinge hören, die Nabokov sagte. ,Bleak House' (von Dickens) war eines der Bücher, die wir in seinem Kurs lasen. Er las in unserer ersten Sitzung zu dem Buch den Anfang laut vor - die Beschreibung der Lage des Kanzleihofs, umgeben von durchdringendem Nebel. (...) Er war ein Mann, der in den Klang der Worte verliebt war. (...) Er hatte einen riesigen Einfluss auf mich."

© SZ vom 25.09.2020 / SZ

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