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Gefährdete Kulturschätze in Libyen:Verschanzt im Nationalmuseum

Als es brenzlig wurde, haben die Getreuen Gaddafis offenbar im Nationalmuseum von Tripolis Deckung vor den Nato-Bomben gesucht. Nach ihrer Vertreibung vor einer Woche ist die Sorge um die Kulturschätze groß, doch sie blieben unversehrt. Im Keller des Museums hatte Gaddafi noch etwas anderes versteckt.

Carsten Janke

Anscheinend sind die Kulturschätze Libyens bisher weitgehend von Plünderungen und Zerstörungen verschont geblieben. Damit ist eine Befürchtung der Unesco vom vergangenen Donnerstag bislang nicht eingetreten. Dabei schienen jüngere Meldungen Anlass zur Sorge zu geben. Denn ein russischer Archäologen hatte von Plünderungen im Nationalmuseum und Zerstörungen an wichtigen antiken Stätten durch Nato-Bombardements gesprochen.

Laut einer Meldung vom Montag ist auch die antike Stätte Sabrata an der Nordwestküste Lybiens, durch Nato-Bomben zerstört worden. Die Unesco weiß davon nichts. Ein Experte widerspricht den Meldungen.

(Foto: AP)

Dem widerspricht nun Hafed Walda, Archäologe am King's College in London und Berater der libyschen Behörde für den Schutz von Altertümern im Gespräch mit sueddeutsche.de:" Das Nationalmuseum in Tripolis ist sicher und auch die antiken Stätten Sabratha und Leptis Magna".

Diese Einschätzung wird von einem Guardian-Journalisten bestätigt. Luke Harding, der sich vor Ort in Tripolis befindet, war es mit Hilfe von Rebellen gelungen, in das geschlossene Nationalmuseum zu gelangen. Dort entdeckte er zwar keine Zerstörungen, dafür aber Spuren libyscher Regierungssoldaten, die wohl hier stationiert gewesen waren, bis zur Eroberung von Tripolis durch die Rebellen.

"Neben einer Statue entdeckte ich ein Paar Armeestiefel, Größe 42. Außerdem hatten die Soldaten Brote, Armeekleidung und Zahnpasta zurückgelassen und sogar einen Topf halbvoll mit Suppe - sie waren plötzlich aufgebrochen. In einem Raum mit prähistorischen Werkzeugen entdeckte ich noch mehr Matratzen von Soldaten." Außerdem stieß Harding auf einen gepanzerten Mercedes im Garten des Museums. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass sich die Getreuen Gaddafis bewusst in kulturellen Einrichtungen versteckt hielten, da sie annahmen, die Nato werde diese nicht bombardieren.

Überraschung im Keller des Museums

Und noch etwas entdeckte Harding, diesmal im Keller des Museums: "Ich fand Zeugnisse aus der Ära vor Gaddafi, zum Beispiel Portraits libyscher Nationalisten, die vor hundert Jahren gegen die italienische Besatzung gekämpft hatten, alle sorgsam hier versteckt. Mein Begleiter sagte dazu nur, dass Libyen viele Helden gehabt habe, aber Gaddafi der einzige sein wollte."

Auch die Unesco kann die dramatischen Meldungen über Zerstörungen in Libyen nicht bestätigen. In einer E-Mail betonte deren Pressesprecherin Susan Williams:"Wir haben zwar keine eigenen Leute vor Ort, aber wir haben zahlreiche Kontakte verständigt und wir versuchen jetzt herauszufinden, was wirklich passiert ist."

© sueddeutsche.de/pak
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