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Markus Lüpertz zum 80.:Lupenreines Genie

Maler Markus Lüpertz wird 80

Markus Lüpertz wird 80

(Foto: Uli Deck/dpa)

Der Künstler Markus Lüpertz feiert seinen 80. Geburtstag. Seine Malerei ist fast so berühmt wie seine wüsten Auftritte im Londoner Zwirn.

Von Alexander Menden

Bei Markus Lüpertz hat sich der Titel des "Malerfürsten" als ähnlich anhänglich erwiesen wie beispielsweise jener der "singenden Herrentorte" bei Helge Schneider. Das hat sicher einiges mit Lüpertz' Kleidungsstil zu tun - bis zum Tod des exzellenten Londoner Herrenschneiders Dennis Wilkinson im Jahre 2006 ließ er sich von diesem ausstatten. In der Gore-Tex-Partnerlook-Ödnis Deutschlands erweckt ein Mensch in Maßanzügen noch immer Misstrauen. Wenn er dann auch noch wie ein besonders gepflegter Hell's Angel Totenkopf-Ringe als Accessoires hinzufügt, ist es ganz aus mit der modischen Toleranz. Dabei ist es ganz einfach: Er mache sich nun mal beim Malen dreckig und habe anschließend das Bedürfnis, sich "einigermaßen zu kleiden", hat Lüpertz in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift Cicero erklärt. Das sei doch selbstverständlich, wenn man "über gewisse Mittel" verfüge.

Markus Lüpertz, Maler, Bildhauer, Dichter, Jazzpianist, Dampfplauderer und ehemaliger Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, bekommt in der Regel eine ziemlich schlechte Presse dafür, dass er sich gerne öffentlich darstellt. Andere Künstler werden gefeiert, weil sie bekennende Fans ihrer selbst und nach eigener Einschätzung lupenreine Genies sind. Aber andere Künstler sind auch keine Kumpels von Altkanzler Gerhard Schröder.

Das Flüchtlingskind konvertierte im Rheinland zum Katholizismus

Die Konversion des jungen Lüpertz zum Katholizismus war folgerichtig, denn der Protestantismus, in den er 1941 im nordböhmischen Reichenberg hineingeboren worden war, bot einfach nicht genügend ästhetischen Nährboden. Siebenjährig mit seiner Familie ins rheinische Rheydt umgesiedelt, versuchte er alles Mögliche, darunter Tage- und Straßenbau sowie Weinflaschenetiketten-Design. Aus der französischen Fremdenlegion desertierte er mit 17 Jahren, um einem Einsatz in Algerien zu entgehen.

Seine kurze Zeit als Student an der Düsseldorfer Kunstakademie, die er später, von 1988 an, zwei Jahrzehnte lang leiten sollte, endete ähnlich abrupt, weil sein Professor es nicht gut fand, dass Lüpertz Cowboys malte. Nach West-Berlin gezogen, entwickelte er von Anfang der Sechzigerjahre an seine "dithyrambische Malerei", mit der er sich von der zeitgenössischen Abstraktion absetzte. Stahlhelme waren bald ein bevorzugtes Motiv. Es folgten Phasen der "Motiv"- und der "Stil-Bilder". Seit den Achtzigern kamen mehr oder weniger subtile Bezugnahmen auf Kunstgeschichte und Mythen hinzu.

Der muskulöse Kommunikationsstil des Malers - Kritik, er habe in Düsseldorf die Fotografie vernachlässigt, konterte er beispielsweise mit der Feststellung, Fotografie interessiere ihn eben nicht - korrespondiert durchaus mit seinem Malstil. Die einen finden ihn zupackend-monumental, die anderen eher klobig. Besonders Lüpertz' Skulpturen haben immer mal wieder für Empörung gesorgt, etwa in Salzburg, wo ein Aktivist seine Mozart-Plastik teerte und federte, oder in Augsburg, wo seine Aphrodite-Brunnenfigur wieder abgebaut werden musste.

Damals wurde vor allem bemängelt, dass die Verlegerin Ellinor Holland mit ihrem Aphrodite-Kunstgeschenk an die Stadt quasi durch die Hintertür in den öffentlichen Raum eingegriffen habe. Im vergangenen Dezember endete ein ähnlicher Streit zugunsten von Lüpertz: Sein Freund Gerhard Schröder hatte der Marktkirche in Hannover ein neues, von Lüpertz gestaltetes Fenster spendiert. Der Sohn des Architekten Dieter Oesterlen, der die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut hatte, klagte dagegen - und scheiterte.

Umstritten ist das 13 Meter hohe Fenster vor allem deshalb, weil die Figur Martin Luthers darauf von fünf Fliegen umschwärmt ist. Da witterte mancher eine subversive Reformatorenschelte des Konvertiten Lüpertz. Dass man als Künstler heute noch mit so etwas provozieren kann, ist dann doch ziemlich erfreulich. An diesem Sonntag wird der Malerfürst Markus Lüpertz 80 Jahre alt.

© SZ/lorc
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