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Geburtstag:Horror aus der Badewanne

Robert Englund in der Rolle des Freddy Krueger während einer Szene des Films A Nightmare on Elm St

Acht Mal spielte Englund den Killer Freddy Krueger, der Teenager in ihren Träumen heimsucht.

(Foto: imago)

Der Schauspieler Robert Englund wird 70. Berühmt wurde er Anfang der Achtzigerjahre als Freddy Krueger, der verrückte Hausmeister aus Wes Cravens "A Nightmare on Elm Street". Sein Gesicht steht seither für den amerikanischen Albtraum.

Von David Steinitz

Robert Englund spielte vermutlich das erste Filmmonster, das einen Ringelpullover tragen durfte. Sein Freddy Krueger, der verrückte Hausmeister aus dem Heizungskeller, der hübsche Teenager meuchelt, war mit Strickpullover, Schlapphut und Klingenhänden schon als seine eigene Parodie angelegt.

Anfang der Achtzigerjahre hatte das Kino bereits ein knappes Jahrhundert auf dem Buckel und die klassischen Schreckensfiguren galten nicht mehr als sonderlich unheimlich. Der Regisseur Wes Craven wollte ein neues Monster für eine neue Generation kreieren, zu Beginn des VHS-Zeitalters, das dringend Albtraumstoff für lange Videonächte brauchte. Also dachte er sich "A Nightmare on Elm Street" aus, in dem ein irrer Hausmeister die Schüler einer High School dort heimsucht, wo sie besonders verletzlich sind: im Schlaf.

Craven war vermutlich der eifrigste Apologet der "Traumdeutung" in Hollywood. Er legte Freddy Krueger als Inkarnation all der Neurosen und Gelüste an, die sublimiert werden mussten, um das amerikanische Vorstadtidyll zu errichten, in das sein Killer einbricht. Cravens großes Glück war, dass sein Hauptdarsteller Robert Englund gleichzeitig lustig und unheimlich aussehen konnte, wie er da aus Schaumbädern von High-School-Schönheiten mit seinen Klauenhänden hervor blubberte. Dieser Surrealismus hatte mehr mit Buñuel und Fellini zu tun als mit Dracula und Frankenstein. Eine Traumrolle, gerade in Hollywood, wo man Surrealismus gern für eine gefährliche europäische Krankheit hielt.

Dabei bedeutete der Auftritt für Englund im Nachhinein einen ziemlichen Stress, weil sie ihn über Nacht weltberühmt machte - die billig und schnell gedrehte Produktion wurde ein Riesenhit. "Sie müssen sich vorstellen", sagte Englund einmal, "dass ich ja ein klassischer Theatermann bin. Tschechow! Und plötzlich gab es sogar eine ganze Zeitschrift mit Freddy-Krueger-Motiven zum Tätowieren. Die Leute haben sich meinen Kopf auf den Arm stechen lassen. Ich schätze, das ist wohl das, was man Popkultur nennt."

Englund wurde 1947 in Kalifornien geboren, die Eltern hatten mit Schauspielerei nichts am Hut. Eines Tages begleitete er einen Freund zur Schulaufführung, zwölf war er damals - und vollkommen überwältigt. Beim nächsten Vorsprechen wurde er prompt engagiert, es folgten eine glanzvolle Schultheaterkarriere als Pinocchio, Aladin und Hänsel und schließlich eine ordentliche Schauspielausbildung an der Universität. Englund wurde nicht zum Star, führte in den Siebzigern aber kein schlechtes Leben. Er hatte kleine Auftritte neben Susan Sarandon, Kris Kristofferson und Richard Gere. Das reichte, um die Miete für das kleine Haus am Strand von Malibu zu bezahlen, wo er bei Flut fast von der Veranda aus angeln konnte. Bis der Anruf von Wes Craven kam und er insgesamt acht Mal als Freddy vor der Kamera stand, in besseren wie schlechteren Fortsetzungen. Sein Gesicht aber war schon vom ersten "Nightmare"-Film an das Gesicht des modernen amerikanischen Albtraums geworden, auch wenn Englund, der am Montag 70 Jahre alt wird, diesen Trubel nie ganz verstanden hat. "Das einzige, wovor ich als Schauspieler Angst habe, ist, dass ich meinen Text vergesse."

© SZ vom 06.06.2017
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