bedeckt München 15°
vgwortpixel

Gastland Finnland auf der Frankfurter Buchmesse:Volksnah und verquer

Gastland Finnland auf der Buchmesse Frankfurt

Cool: Ein Großplakat macht auf dem Gelände der diesjährigen Frankfurter Buchmesse auf das Gastland Finnland aufmerksam.

(Foto: dpa)

Finnland ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Den Finnen war die Eigenständigkeit seit jeher wichtig: Ihre kleine Sprache gehört ihnen allein. Die nationale Literatur wirkt daher oft eigenbrötlerisch. Allerdings nur auf denjenigen, der keine Selbstironie versteht.

Man kann nach Finnland fahren, nach Helsinki, und schlottern im September. Die Zeitungen berichten dann von Schnee im Norden, noch vor dem offiziellen Herbstanfang.

Andere Nachrichten sind noch frostiger: Luftraumverletzungen durch russische Kampfflugzeuge, Drohungen aus Moskau gegen einen möglichen Nato-Betritt Finnlands, die schmerzhaften EU-Sanktionen gegen Russland. Unter ihnen leidet Finnland besonders - das Land treibt viel Handel mit den Russen. Man kann die Menschen wieder sagen hören, dass sie sich bedroht fühlen vom unberechenbaren großen Nachbarn. Russland und Finnland teilen eine etwa 1300 Kilometer lange Grenze.

Was es tatsächlich heißt, Finne zu sein, zu diesem kleinen Volk am Rand der westlichen Welt zu gehören, das kann man als Besucher nur erahnen. Vielleicht wissen es die Finnen selbst nicht genau. Es scheint so, als suchten sie ihren Platz in der Welt, wie schon seit 200 Jahren. So jung ist ihre Nation. Und untrennbar verbunden mit dieser Suche ist die finnische Literatur.

Gerade jetzt beschäftigen sich viele finnische Autoren mit der Beziehung zwischen Finnland und Russland und schauen dafür in die Vergangenheit, auf die Kriege, in denen Finnland für seine Unabhängigkeit gekämpft hat.

Jahrhundertelang hat das Land zu Schweden gehört. 1809 nahmen die Russen den Schweden ihre finnischen Gebiete ab, schufen ein Großfürstentum Finnland. Das gehörte zwar zu Russland, war aber weitgehend autonom. Nach der Novemberrevolution 1917 erklärte sich Finnland von Russland unabhängig, die Linke putschte daraufhin gegen die Regierung, löste einen Bürgerkrieg aus. Die Bürgerlichen siegten und 1919 wurde Finnland zur unabhängigen Republik.

Krieg, Besatzung, Albert Speer

1939 griff die Sowjetunion an. Finnland widerstand lange, blieb unbesetzt, verlor aber Gebiete an die Russen. Es hielt zu den Deutschen, schloss aber 1944 einen Waffenstillstand mit den Sowjets und vertrieb die deutschen Truppen aus dem Land.

Die Kriege sind ein häufiges Thema in der finnischen Literatur. Katja Kettu beschreibt in "Wildauge" eine Liebesbeziehung zwischen einem SS-Offizier und einer finnischen Hebamme in Lappland gegen Ende des Zweiten Weltkrieges.

Sofi Oksanens neuster Roman spielt in Estland, unter deutscher und russischer Besatzung - dieselben Themen also, nur der Schauplatz ist ein anderer. Kjell Westö schreibt über Helsinki zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, Jenni Linturi über Helsinki im Bürgerkrieg, Heidi Köngäs über Albert Speer in Lappland. Und so weiter.