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Gaming:Belohnung für umweltbewusstes Verhalten

Green Gaming-Screens

Belohnung für ökologiches Verhalten: das Spiel "Eco".

(Foto: Screenshots: SZ)

Der Gaming-Experte Dominik Rinnhofer über grüne Spiele, Simulationen und ihre Auswirkungen.

Interview von Corinna Koch

Videospiele werben immer häufiger für mehr Umweltbewusstsein. Auf der Devcom, einer der wichtigsten Konferenzen für Spielentwickler, die Ende August stattfindet, liegt ein Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, wie in Spielen wie "Idle King" oder "Siebenstreich". Dominik Rinnhofer ist Medienkünstler und Inhaber der PXNG.LI Studios. Er unterrichtet Game Design an der Hochschule Macromedia.

SZ: Was macht ein Spiel "grün"?

Dominik Rinnhofer: Inhaltlich ist ein Spiel "grün", wenn es sich mit ökologischen Themen auseinandersetzt. Einerseits gibt es die Möglichkeit, ein Spiel über eine Erweiterung zu "grünifizieren", wie zum Beispiel mit der Erweiterung "Die Sims 4: Nachhaltig leben". Man kann Spiele aber auch so aufbauen, dass von Anfang an ökologisches Verhalten belohnt wird, wie etwa bei "Eco". Ziel des Spiels ist es, gemeinsam mit anderen Spielern eine Zivilisation aufzubauen, während man versuchen muss, sparsam mit Ressourcen umzugehen und in Einklang mit der Natur zu bleiben.

Ist der Nachhaltigkeitstrend im Gaming vollends angekommen?

Vollends würde ich nicht sagen, aber im Gaming-Bereich ist das Thema weiter fortgeschritten als zum Beispiel in TV-Serien. Das rührt auch daher, dass man Gamern lange Zeit unpolitisches und anti-gesellschaftliches Verhalten unterstellt hat. Gaming wurde mit Eskapismus gleichgesetzt, einer Flucht in die virtuelle Welt, um sich so der Verantwortung in der Realität zu entziehen. Jetzt erleben wir da eine neue Entwicklung. Spielentwickler und dadurch auch die Spielerinnen und Spielerübernehmen Verantwortung.

Sind Videospiele mehr als Unterhaltung?

Auf jeden Fall. Videospiele sind ein Medium und ein Kulturgut mit großem Einfluss. Ich gehe sogar so weit: Unsere Zukunft wird wesentlich durch Computerspiele gestaltet, denn in ihnen steckt das Potenzial, sie zur Bewusstseinsveränderung oder Sensibilisierung einzusetzen.

Wie das?

Im Gaming hat man die Möglichkeit, utopische Zukunftsmodelle zu erproben, ohne gleich die Konsequenzen tragen zu müssen. Videospiele haben den großen Vorteil, dass ich mehrmals sterben kann. Wir können also Fehler machen und von vorne anfangen. Im Real Life sind Fehler irreversibel. Außerdem sind Videospiele in der Regel sehr intuitiv. Deshalb kann man komplexe Themen leicht in die Köpfe und vielleicht auch die Herzen der Menschen bringen. Verhaltensmuster, die aus Computerspielen gelernt sind, können dann auch in der Realität abgerufen werden.

Kann man beim Spielen umweltbewusstes Verhalten üben?

Ja. Handlungen, die man in einer Simulation durchführt, gehen tief in unser Unterbewusstsein über. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Wenn ich viel "Assassin's Creed" gespielt habe und danach durch die Stadt laufe, muss ich immer wieder dem Impuls widerstehen, eine Fassade hochzuklettern. Bei ökologischen Spielen ist es dasselbe Prinzip.

In der Realität hat die Gaming-Industrie zunächst mal vor allem einen ziemlich hohen Energie- und Ressourcenverbrauch.

Wir haben im Gaming-Bereich ein großes Ökologie-Problem: Ich sitze an einem Computer, der Strom verbraucht. Wenn Videospiele in Zukunft noch weiter zu Streamingservices ausgebaut werden, dann braucht es auch noch riesige Rechenzentren, die Unmengen an Strom verschlingen werden.

Ist es nicht heuchlerisch, "grüne" Spiele zu entwickeln, aber offline Ressourcen zu verschwenden?

Es ist paradox. Aber in unserer Gesellschaft ist es auch ganz grundsätzlich so, dass es nicht nur die eine Wahrheit gibt. Ich glaube, jeder muss das mit seinem eigenen ethischen Wertesystem abgleichen: Ist es besser, zwei Stunden ein nachhaltiges Spiel zu spielen und dann morgen den Müll besser zu trennen, oder ist es besser, den Rechner auszulassen und den Strom gleich zu sparen?

Wie steht es denn um das Ethik-Verständnis in der Game-Developer-Szene?

In erster Linie ist es ein Business, es herrschen ökonomische Interessen.

Und in zweiter Linie?

Haben wir darin eine große Szene von Independent-Entwicklern, die Computerspiele als künstlerisches Medium verstehen und eine Geschichte erzählen wollen. In der Game-Industrie gibt es beides: Die Künstler, die ein Thema platzieren wollen, das sie gerade wichtig finden, und die Manager oder Firmen, die Geld verdienen wollen.

Ist Nachhaltigkeit also nur ein Trendthema in der Spieleindustrie?

Es ist ganz sicher ein Trendthema, aber deswegen nicht unbedingt schlecht. Ich bin froh, dass die Thematik endlich die aktivistische Nische von ökologisch interessierten Menschen verlässt und in den Mainstream übergeht.

© SZ vom 03.08.2020

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