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Galerien:Alles Dada, oder was?

Eindrücke vom Eröffnungswochenende der Münchner Kunstfestivals

Ob sich der neue Vorstand der Galerieinitiative, Markus Braun-Falco, mit dem Auftaktmotto "Munich first" wirklich einen Gefallen getan hat? Jedenfalls zuckten einige Zuhörer bei der "Open Art"-Eröffnung in der Galerie Thomas doch ziemlich zusammen, als sie den Slogan hörten, der so sehr an Donald Trumps Schlachtruf erinnert - und damit den Fokus auf eine narzisstische Abgrenzung setzt. Dabei hatte Braun-Falco zuvor betont, dass man die neue Initiative von "Various Others", die sich einer größeren Internationalisierung verschrieben hat, nicht als Konkurrenz sehe. Doch "Munich First" - das klingt nach Kampfansage. Dazu gab's eine Rap-Performance von Roger Rekless, der von Besuchern vorgeschlagene Wörter wie Lego und Liebe zusammenbrachte. Dem von Braun-Falco angezeigten "Monochrome" hielt Münchens Kulturreferent Anton Biebl den Vorschlag "VFAMK" entgegen, die Abkürzung des Namens des Vereins, der hinter "Various Others" steht.

Umgeben von zeitgenössischer Malerei von Peter Halley fand die "Open Art"-Eröffnung mit einer Rap-Performance von Roger Rekless statt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bei "Various Others" gab's zur Eröffnung die musikalisch-poetische Malperformance "The Necessity of Necessity" von Gregor Hildebrandt in der Musikabteilung von Ludwig Beck. Der Künstler und Akademieprofessor, der mit analogen Musik- und Videobändern arbeitet, ließ sich von der Live-Musik der Band Paar inspirieren und gewährte mit seinem performativen Akt einen Einblick in den Entstehungsprozess seiner Werke. Und "Various Others" hatte weitere Performances im Angebot.

Various Others

Mit einem fast meditativen musikalisch-poetischen Akt von Gregor Hildebrandt starteten die Galerien und Institutionen von "Various Others" parallel in das Kunstwochenende.

(Foto: Various Others)

Beim Empfang im Blitz Club karikierte der Künstler Oliver Bulas die Tradition der Eröffnungsrede mit einer anarchisch anmutenden Textcollage, gefolgt von einem Schrei-Konzert zusammen mit Charlotte Arnold, die als Künstlergruppe "Bruno und Michel are smiling" auftreten. Diese sehr schräge Performance fand nach dem Essen eine Fortsetzung mit der in Berlin lebenden, ziemlich angesagten Künstlerin Magic Island. Die gebürtige Kanadierin verarbeitet elektronisch geloopte Klang- und Stimmwolken, die sie variiert und technisch modifiziert. Aus R&B, Pop, Soul und Easy Listening wird so eine teils gefühlige, etwas mainstreamig klingende Melange.

Die Eröffnung der Ausstellung von Sun Mu im Kunstraum wenige Stunden zuvor geriet am Ende ebenfalls zu einer leicht bizarren Performance. Da griff der in Nordkorea geborene, in Südkorea lebende Künstler zum Mikrofon und gab - im Karaokestil und herrlich schräg - ein Lied aus seiner Heimat zum Besten. Was das zahlreich versammelte koreanische Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. Ebenfalls unfreiwillig komisch wirkte streckenweise die Preview der Ausstellung Senga Nengudi im Garten des Lenbachhauses. Während die Gäste des Fördervereins versuchten, sich auf die einführenden Worte ins Werk der amerikanischen Künstlerin zu konzentrieren, wurden diese von den musikalischen Wolken des Popbarden Michael Patrick Kelly umwabert und mitunter überdröhnt, die vom Königsplatz herüberwehten. Wenn schon Dada, dann richtig. Das gelangt der Performance von Wisdom Warriors aus Lissabon, eingeladen von Ruine München, auf der Wiese vor der Alten Pinakothek. Der Vortrag von Diogo da Cruz and João Pedro Costa jedenfalls war auch eine Art und Weise, den Saisonauftakt der Münchner Kunstszene zu begehen.