Freddy Quinn zum 80. Leben voller Heimweh

Sein großes Thema war die Liebe zur Heimat. Und damit traf Freddy Quinn einen Nerv: Seemannslieder wie "La Paloma", "Unter fremden Sternen" und "Die Gitarre und das Meer" begeisterten einst die Deutschen. Jetzt wird der Sänger 80 Jahre alt.

Von Andrian Kreye

Der große Unterschied zwischen amerikanischer und deutscher Popmusik war immer schon der Mangel an erlaubter Heimatliebe im Nachkriegsdeutschland. Drüben wären Bob Dylan, die Byrds und Bruce Springsteen ohne diese leidenschaftliche Begeisterung für die eigene Herkunft nie möglich gewesen. Hier ging das nun mal nicht und in den fünfziger Jahren schon gar nicht.

Der wichtigste Interpret deutscher Seemannslieder seit Hans Albers: Freddy Quinn, der als 23-Jähriger auf St. Pauli entdeckt wurde.

(Foto: dapd)

Weil aber Heimweh so etwas ist wie die kleine, melancholische Schwester des Nationalstolzes, erzählt der Aufstieg Freddy Quinns zum wichtigsten Interpreten deutscher Seemannslieder seit Hans Albers viel mehr über Deutschland, als über den Mann, der am 27. September 1931 als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl im niederösterreichischen Niederfladnitz zur Welt kam.

Denn als der 23-jährige Sänger 1954 auf St. Pauli in der Washington Bar entdeckt wurde, ging es Deutschland zwar wieder gut. Doch hinter dem Wirtschaftswunder lauerte immer noch die tiefe Verstörung über das eigene Land. Da kamen Lieder wie "Heimweh", "Die Gitarre und das Meer", "Unter fremden Sternen" und "La Paloma" gerade recht. Ganz schlicht ging es in den Geschichten von traurigen Matrosen um die geistige und seelische Heimat, nach der man sich zurücksehnte.

Es war sicherlich kein Zufall, dass Freddy Quinn genauso wie seine Zeitgenossen Udo Jürgens und Peter Alexander ein Österreicher war. Wenn es darauf ankommt, können Österreicher so viel lässiger deutsch sein als die Einheimischen. Es war auch ganz logisch, dass die Hafenstadt Hamburg den Nordpol der schüchternen Wiederbelebung einer deutschen Heimatliebe bildete.

Ähnlich wie die Alpen im Süden war die Waterkant nicht ganz so schwer belastet vom Grauen der Geschichte wie München oder Berlin. Da gab es zumindest wieder die Chance, die Stadt als positive Projektionsfläche anzusehen, als "Heimathafen", der die Sehnsüchte bündelt, weil man dorthin zurückkehren will.

Freddy Quinn hatte außerdem die perfekte Biografie, um so der neuen Heimatliebe einen Star zu geben. Schon als Teenager war er durch Südeuropa und Nordafrika getrampt, er hatte sich als Saxofonist im Zirkus durchgeschlagen und sich in Algerien in einer Kneipe für Fremdenlegionäre als Sänger verdingt. Und war trotzdem zurückgekehrt. Davon einmal abgesehen erinnert seine erdige Stimme ganz deutlich an Johnny Cash, und sein erster Hit war eigentlich ein Standard von Dean Martin.

Wenn er also heute 80 Jahre alt wird, dann werden sie im Fernsehen sicherlich Ausschnitte aus Hitparaden und Musicals zeigen. In Wahrheit aber war Freddy Quinn schon immer der Niederösterreicher mit einem verdammt guten Gespür für die deutsche Seele.