Französischer Philosoph und Holocaust-Leugner Roger Garaudy ist tot

Gesinnungswandlungen und Provokation bestimmten das Leben von Roger Garaudy. Der Philosoph und Kulturwissenschaftler war aktiver Kommunist und Christ, bekannte sich später zum Islam und wurde zum Holocaust-Leugner. Seine Publikationen sorgten international für Kontroversen. Nun ist der Franzose im Alter von 98 Jahren gestorben.

Der französische Philosoph und Holocaust-Leugner Roger Garaudy ist tot. Wie französische Medien wie Le Monde am Freitag schreiben, starb der Kulturwissenschaftler am Mittwoch in Chennevières im Raum Paris. Den Berichten zufolge wurde sein Tod zuerst durch eine Website französischer Rechtsextremer bekanntgegeben.

Roger Garaudy im März 1997 in Teheran.

(Foto: AFP)

Einige Historiker und Intellektuelle verglichen Garaudy mit einem Chamäleon, das immer wieder die Hautfarbe wechselt. Auf seinem Weg durch die Ideologien und Religionen der Welt war er Kommunist, Christ, Verfechter des Islam und Holocaust-Leugner.

Garaudy wurde am 17. Juli 1913 in Marseille geboren. Er studierte Philosophie und Literatur in Paris und schloss sich 1933 der Kommunistischen Partei an. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er in ein Konzentrationslager verschleppt. Nach 30 Monaten konnte er fliehen.

Nach dem Krieg war Garaudy sowohl in der Politik als auch in der akademischen Lehre aktiv. Nachdem er noch 1956 beim Aufstand in Ungarn vor einer "Faschistisierung" gewarnt hatte, begrüßte er den "Prager Frühling" von 1968. In der Folge löste er sich immer weiter vom kommunistischen Apparat, bis er 1970 aus der Kommunistischen Partei Frankreichs ausgeschlossen wurde.

In dem 1975 erschienenen autobiografischen Bericht Menschenwort bekannte er: "Das Kreuz hat mich die Entsagung gelehrt. Und die Auferstehung die Überschreitungen. Ich bin Christ." Im Jahr 1981 wollte Garaudy als Grüner und Kernkraftgegner französischer Präsident werden. Ein Jahr später trat er zum Islam über.

Diese tiefgreifenden ideologischen und religiösen Gesinnungswandlungen sorgten Zeit seines Lebens für Aufsehen. Zuletzt polemisierte er mit seinem 1996 von ihm selbst verlegten Buch Die grundlegenden Mythen der israelischen Politik. Darin schrieb er, Juden würden ihre Verfolgung im Dritten Reich übertreiben und sie strategisch als Dogma nutzbar machen. Für seine Holocaust-Leugnung wurde Garaudy 1998 zu neun Monaten Gefängnis auf Bewährung und zu einer Geldstrafe verurteilt.

Garaudy schrieb im Laufe seines Lebens unzählige Essays, Romane und politisch-wissenschaftliche Werke. Seine Vorträge wurden vom Publikum, darunter vielen Jugendlichen, oft regelrecht gestürmt. Mit seinen Veröffentlichungen sorgte er über die Jahrzehnte für zahlreiche internationale Kontroversen. Im Zuge seiner Israel-Äußerungen wurden nicht zuletzt die arabischen Übersetzungen von Garaudys Werken zu Verkaufserfolgen.