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Französische Kulturministerin:Versuch Nummer drei

Roselyne Bachelot NEWS : Emission Politiques a table - LCP - Paris - 20/11/2019 GwendolineLeGoff/Panoramic PUBLICATIONxN

Roselyne Bachelot ist mir ihren 73 Jahren eine Seniorin im neuen Regierungskabinett.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Die erfahrene Politikerin Roselyne Bachelot wird neue französische Kulturministerin und steht vor schwierigen Aufgaben.

Von Joseph Hanimann

Seit über zwanzig Jahren weiß in Frankreich kaum eine Regierung mehr recht, was tun mit dem Kulturministerium.

Emmanuel Macron, der mit einem prononcierten Kulturinteresse antrat, steht heute bei seinem dritten Besetzungsversuch. Auf Françoise Nyssen, die erfolgreiche Verlagsleiterin und politische Novizin, folgte vor knapp zwei Jahren der fleißige, aber blasse Politiker Franck Riester. Und nun also die aus dem Ruhestand zurückkehrende politische Diva Roselyne Bachelot, mit ihren 73 Jahren eine Seniorin im neuen Regierungskabinett.

Sie war Umweltministerin unter Chirac, Gesundheits- und dann Sozialministerin unter Sarkozy. Ihr politischer Stern begann in den vergangenen Wochen aufs Neue zu leuchten, als sie bei einer Anhörung als Ex-Ministerin mit ihren Entscheidungen in Sachen Impfstoff- und Mundschutzbeschaffung bei früheren Epidemien überzeugte.

Sie muss die von Covid-19 hart getroffene Kulturbranche aus der Krise führen

Vor allem aber glänzte die leidenschaftliche Opernliebhaberin seit dem Ende ihrer politischen Karriere 2012 mit ihrem Humor, ihrem überbordenden Temperament, ihrer blumigen Sprache und ihrem immerfort lachenden Erdbeermund in den Talkshows des Landes. Eigenwillen und politischen Mut hatte sie schon 1998 als Parlamentarierin unter Beweis gestellt, als sie im Alleingang gegen ihr eigenes konservatives Lager für das sozialistische Projekt eines Ehevertrags für Homosexuelle stimmte.

Ins technokratisch verfilzte Kulturministerium könnte die neue Chefin etwas frischen Wind bringen. Die Frage bleibt aber seit Jahren die alte: Wie gut wird ihre Direktverbindung ins Elysée sein? Davon lebt dieses Ministerium. Bei ihren Vorgängern war die Leitung praktisch tot. Hilfreich könnte der neuen Amtsinhaberin sein, dass sie, sollte im Elysée weiterhin niemand an den Apparat gehen, dies von den Dächern zu pfeifen verstünde.

Auch wird sie mit ihrem Charme einen besseren Zugang zur Kunstszene haben als ihre eher trockenen Vorgänger. Den Künstlern und - bemerkenswert - auch der Vielfalt der französischen Kulturregionen werde ihre ganze Aufmerksamkeit gelten, sagte Roselyne Bachelot in ihrer ersten Erklärung. Ob das ausreicht, um den von der Covid-Krise hart getroffenen Sektor aus dem Stillstand zu führen in einem Land, wo in allem zunächst der Staat gefordert ist, bleibt fraglich. Als eine erste Maßnahme will die Ministerin Generalstände für die abgesagten Festivals ausrufen.

© SZ vom 08.07.2020

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