Der Arzt und Autor Frantz Fanon wurde nur 36 Jahre alt. In diesem kurzen Leben hat er unter anderem als Soldat gegen die Wehrmacht gekämpft, als Psychiater in Frankreich, Algerien und Tunesien praktiziert, als Sprecher für die algerische Unabhängigkeitsorganisation FLN gearbeitet und zwei Bücher geschrieben, die bis heute zum Kanon des postkolonialen Denkens gehören: „Schwarze Haut, weiße Masken“ und „Die Verdammten dieser Erde“. Heute berufen sich amerikanische Linke ebenso auf ihn wie französische Rechtsradikale, Hamas-Unterstützer ebenso wie Impfgegner in Guadeloupe. Der amerikanische Autor Adam Shatz, Redakteur der London Review of Books, hat jetzt eine große Biografie über Fanon veröffentlicht, die zu einem der meistdiskutierten Bücher der Saison wurde. Susan Neiman pries das Buch als Ausweg aus der Sackgasse der Identitätspolitik, Übersetzungen ins Hebräische und Arabische und einige weitere Sprachen sind in Arbeit. Aus Deutschland jedoch kam noch keine Anfrage.
Interview mit Adam Shatz„Man hat immer das Gefühl: Er schreibt über mich“
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Frantz Fanon gilt als der Urvater des dekolonialen Denkens. Warum wird er heute von Linken wie von französischen Rechtsradikalen gelesen? Ein Interview mit seinem Biografen Adam Shatz.
Von Felix Stephan
