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Facebook und Politik:Für demokratische Verfahren wurde bewusst nicht der kürzeste, schnellste Weg gewählt

Und genau hier liegen die Schwierigkeiten. Viele alte Institutionen wussten das und enthielten darum "innere Bremsen": Redaktionen mussten Fakten prüfen, bevor sie veröffentlicht wurden; Autos hatten Elchtests zu bestehen; in Parlamenten wurde ausgiebig diskutiert; vor Gericht gab es auch eine Verteidigung usw. In all diesen Fällen wurde bewusst nicht der kürzeste, schnellste und reibungsloseste Weg gewählt. Im Gegenteil: Das Verfahren sollte rumpeln, stottern und immer wieder innehalten, es waren Konflikte und diverse "Checks and Balances" vorgesehen.

Genau das war mal ein Wettbewerbsvorteil: Verfahren dieser Art sind zutiefst demokratisch - sie lassen mehrere, oft widerstreitende Perspektiven zu Wort kommen, führen dadurch aber auch zu besser informierten Ergebnissen. Dass sie länger brauchen, wurde lange als notwendiges Übel akzeptiert.

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Das Versprechen der Computer und ihrer künstlichen Intelligenz besteht nun aber darin, solche Prozesse übermenschlich zu beschleunigen. Anders als Menschen müssen Computer nicht erst viele hundert andere Menschen treffen und mit ihnen Schach spielen, bevor sie zu Großmeistern werden können. Sie müssen nicht einmal alte Schachspiele studieren. Stattdessen spielt ein lernender Algorithmus wie Googles AlphaZero einfach vier Stunden (!) lang gegen sich selbst - das genügt, um für Menschen (und ältere Schachcomputer) unschlagbar zu werden.

Die Welt ist nicht so einfach zu berechnen wie ein Schachspiel

Das ist die Perspektive, mit der Tech-Unternehmen lange auf die Welt gesehen haben. Sie haben die schnellsten Rechner und gewaltige Datenberge - was soll da schon schiefgehen? "Move Fast and Break Things" ist letztlich das Motto einer intelligenten Maschine, die eben auch alle möglichen Spiele einmal verlieren muss, bevor sie unschlagbar wird.

Nur leider ist die Welt nicht ganz so "einfach" berechenbar wie Schach mit seinen klaren Regeln. Facebook hat mehr als zwei Milliarden Nutzer und operiert in diversen Kulturen, Religionen und politischen Systemen - man könnte durchaus von einem komplexen System sprechen. Es bräuchte daher noch viel mehr Daten und Rechenpower, um alle möglichen Zukünfte der Welt zu berechnen. Und selbst dann gäbe es eine eingebaute "Unschärferelation", weil Menschen die lästige Eigenschaft haben, vorhergesagte Schicksale aktiv verhindern zu wollen. Die einzige Zukunft, die relativ sicher und einfach erreicht werden kann, besteht aus Chaos und Zerstörung.

Vielleicht sollten wir deshalb ein bisschen vorsichtiger sein, was das Experimentieren im Weltmaßstab angeht. "Agile at Scale", also "agiles Management im großen Maßstab" war ein großes Schlagwort in der Management-Theorie der vergangenen Jahre. Alle großen Unternehmen und Organisationen sollen so schnell und wendig wie Start-ups gemacht werden. Und auch politisch gibt es einen großen Trend in Richtung neuer Start-up-Parteien und Bewegungen, die sich oft nur äußerst ungern demokratische Zügel anlegen lassen wollen. Wir sollten in den kommenden Wochen mit großer Anteilnahme nach Paris blicken und überlegen, ob das wirklich so eine gute Idee ist.

© SZ vom 11.12.2018/khil
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